Wie Leadership gelingt: Führungsstile im Überblick

  • Martina
  • Oktober 28, 2018
  • 8 min

Führen heißt, dass es jemanden geben muss, der das Unternehmen langfristig weiterentwickelt. Und das federführend! Motivierte und zufriedene Arbeitnehmer stehen für gesundes Wachstum und eine Unternehmenskultur zum Wohlfühlen. Aber wie befähige ich meine Mitarbeiter, ihren Beitrag für ein langfristiges Bestehen zu leisten? Welcher Führungsstil ist der richtige, um dies zu ermöglichen?

Wir haben uns ein wenig umgesehen und dir die bekanntesten Leadership-Styles und deren Anwendungen zusammengetragen:

Befehlen, kooperieren oder nichts davon: die „glorreichen Drei“ von Lewin

Ende der 1930er Jahre beschäftigte sich der Sozialpsychologe Kurt Lewin mit der Führung von Menschen. Drei Basis-Führungsstile, die sich bis heute gehalten haben, sind das Ergebnis seiner Arbeit:

Lewins erster Stil, der autoritäre oder autokratische Führungsstil besagt, dass der Chef alle Entscheidungen im Alleingang trifft. Er ist es auch, der alles wissen muss. In diesem Stil gibst du Anweisungen und erwartest dir Gehorsam. Fehler sind tabu und können sanktioniert werden. Die Belegschaft einer autoritären Führung erledigt die ihr aufgetragenen Aufgaben ohne Wenn und Aber.

Es überrascht, dass es bestimmte Situationen gibt, in denen auch ein autoritärer Führungsstil berechtigt ist. Zum Beispiel in Notfällen, in denen lebenserhaltende Maßnahmen unverzüglich gesetzt werden müssen. Dass eine autoritäre Führungskraft dabei auch empathisch sein muss, erschließt sich erst auf den zweiten Blick: Schließlich muss sie auch erkennen, dass es sich um einen Notfall handelt.

Anders verhältst du dich im demokratischen Führungsmodus: Du bist kooperativ, unterstützend, aufmunternd, schenkst deinen Mitarbeitern Anerkennung und beziehst sie in jede Entscheidungsfindung ein. Du gibst kontinuierlich Feedback und bist wertschätzend.

Als demokratischer Leader erntest du ein hohes Maß an Mitarbeitermotivation, beschäftigst zufriedene Arbeitnehmer und lebst Fehlerkultur vor. Da, wo Menschen partizipieren, da werden sie ernst genommen und sind glücklicher. Und im Übrigen auch das Management! Welche Führungsqualitäten bei den Mitarbeitern besonders beliebt sind, darüber haben wir erst vor Kurzem im Blog „6 Führungsqualitäten, die Mitarbeiter an ihrem Manager lieben“ nachgedacht.

Der dritte Führungsstil hat mit Gleichgültigkeit zu tun: Hier handelst du nach dem Laissez- faire-Prinzip. Entscheidungen über Aufgaben oder Ziele überlässt du zur Gänze deinen Mitarbeitern, die dadurch in den Genuss vieler Freiheiten kommen. Wenn du Expertengruppen oder Kreativabteilungen managst, bist du gut beraten, dich mit diesem Stil – und dessen Gefahren – auseinanderzusetzen.

Gut! Wir haben gelernt, dass es den einen perfekten Führungsstil dem Anschein nach nicht gibt, zumindest nicht nach Lewin. Unsere erste Erkenntnis lautet daher: Jede Führungskraft sollte sich einen angemessenen Stil-Mix zurechtlegen, um in jeder Situation effizient und motivierend führen zu können.

„Auf die Situation kommt´s an!“, sagen Fiedler, Hersey & Blanchard

Situatives Führen von Fred Eduard Fiedler (1967) ist eine der ersten Theorien im Rahmen der Führungslehre. Der Organisationspsychologe war davon überzeugt, dass sich erfolgreiche Leader nicht nur unterschiedlicher Stile bedienen, sondern ihren Erfolg auch von den folgenden Faktoren abhängig machen:

  • von der persönlichen Beziehung zu den Mitarbeitern (Geführten)
  • von der Aufgabenstruktur (Reifegrad)
  • von ihrer Position und somit von ihrer Macht als Vorgesetzte

Die Forscher Paul Hersey und Ken Blanchard haben diesen Ansatz weiterentwickelt, indem sie auch den Reifegrad des Mitarbeiters (Motivation, Potenzial, Fähigkeit) ins Modell einfließen haben lassen.

Als „situativer“ Vorgesetzter bist du delegierend, wenn deine persönliche Beziehung zum Personal genauso gering ausfällt wie dessen Motivation. Gibt es aber eine starke Bindung zum Mitarbeiter und bringt dieser auch noch viele Fähigkeiten mit, dann wird sich auch dein Verhalten in ein partizipierendes verwandeln. Yep!

Die 9 mal 9 Führungsstile nach Blake & Mouton

Im Zentrum des „Managerial GRID-Modells“ der Psychologen Robert R. Blake und Jane Mouton steht der Vorgesetzte selbst. Das Verhaltensgitter bildet ab, wie sich Mitarbeiterorientierung und persönliche Aufgabenorientierung zueinander verhalten. Die Erkenntnisse sind vor allem eines: vielfältig! Führen „geht“ demnach in 81 unterschiedlichen Verhaltensweisen. Das Modell hebt fünf davon exemplarisch hervor:

  • Glacéhandschuh-Methode: Das Verhalten des Chefs zeigt sich durch ein hohes Interesse am Menschen. Dein Umgang mit ihnen ist sorgfältig und darauf ausgerichtet, sie nicht zu stressen.
  • Befehl-Gehorsam-Management: Dieser Stil ist dem autoritären Führungsstil von Lewin gleichzusetzen. Das Zwischenmenschliche geht darin verloren.
  • Überlebensmanagement: Hier regiert das Minimale. Weder Ergebnisse noch die Menschen im Unternehmen spielen eine Rolle. In gewisser Weise erinnert es uns an den eingangs erwähnten Laissez-faire-Stil.
  • Organisationsmanagement: Ausgewogenheit und Kompromissbereitschaft bestimmen dein Handeln. Es gibt von Allem etwas: die notwendige Leistung und motivierte Mitarbeiter. Zu Höchstleistungen kommt es in diesem Stil allerdings nicht.
  • Teammanagement: Für Blake und Mouton ist dieser Stil der beste. Als „Teammanager“ bedienst du dich unterschiedlicher Herangehensweisen, bist vielseitig, visionär, partizipierend und trittst als Coach vor dein Team. Hohes Mitarbeiter-Engagement trifft hohe Arbeitsleistung. Bingo!

Antrieb von innen: der transformationale Stil

Der transformationale Führungsstil ist Bestandteil des „Full Range of Leadership-Modells“. Als transformationaler Chef befähigst du jedes Teammitglied, aus eigenem Antrieb heraus zu handeln. Übergeordnete Ziele haben ausgedient und sind nicht erwünscht. Indem du agil auftrittst, das Individuum stärkst und in seiner Entwicklung förderst, entstehen gemeinsame Ziele und Visionen. Den Unterschied zwischen dem Führungsstil des agilen Managements und dem Mikromanager haben wir in unseren Blog „Führungsstile: Agiles Management vs. Mikromanagement“ zum Nachlesen herausgearbeitet.

Beim kleinen Bruder, dem transaktionalen Stil, steht der Austausch zwischen dir und deinem Team im Fokus. Dabei handelt es sich um (im-)materielle Belohnungen in Form von Gehalt oder Lob. Beide Stile nehmen Einfluss auf erfolgreiches Leadership.

Fazit: Führungsstile – und von den Entscheidungen aus dem Bauch

Das Farbenspiel der Führungsstile ist vielfältig und weist viele Schattierungen auf. Die gesammelten Ansätze – und es gibt noch viel mehr (!) – zeigen, dass es für jede Situation und jeden Mitarbeiter unterschiedliche Ansätze und Empfehlungen gibt.
Eine Umfrage des Münchner Geva-Instituts zeigt den Trend deutscher Führungskräfte, sich verstärkt mit den Menschen in ihrer Firma auseinanderzusetzen. Für die befragten Arbeitnehmer liegt es am Chef, ob sie sich mit dem Unternehmen identifizieren, diesem treu bleiben und sich einbringen können.

Leadership gelingt auch aus unserer Sicht dort, wo der Mensch und seine Bedürfnisse im Zentrum stehen. Vom Kunden über den Chef bis hin zum Praktikanten: Jeder hat Bedürfnisse, die ernst genommen werden wollen und sollen. Je wohler sich alle Beteiligten in ihrem Unternehmen fühlen können, desto ausgeglichener – Work-Life-Balance – und produktiver werden sie.

Indem du dich mit deinen Mitarbeitern austauschst, ihnen kooperativ, wertschätzend und unterstützend begegnest, wird auch der Führungserfolg nicht lang auf sich warten lassen. Empathische Chefs sind einfach sympathischer!

Teste jetzt kununu engage kostenlos und hole dir ehrliches Feedback von deinen Mitarbeitern.

Du fängst gerade erst an Chef zu sein? Dann hol‘ dir hilfreiche Tipps für den Start in unserem „Leitfaden: Die ersten 100 Tage als Chef“.

Du bist schon länger in einer Führungsposition und fragst dich, ob du ein guter Chef bist? Dann findest hier unseren Artikel „Bin ich ein guter Chef?“. Viel Spaß beim Lesen!

 

Kostenlos Testen

kununu engage ist ein HR Feedback-Tool, das dir dabei hilft, ein besserer Arbeitgeber zu werden. Durch kontinuierliches und anonymes Feedback der Mitarbeiter, erhältst du wertvolle Einblicke in die aktuelle Stimmung, und die gelebte Transparenz hilft dabei, eine starke Unternehmenskultur aufzubauen.

Kostenlos testen!

Newsletter (de)

Keine Neuigkeiten mehr verpassen

Abonniere unseren Newsletter und erhalte regelmäßig Insights zum Thema Mitarbeiter-Engagement, Company Culture und Co.