Wie du deine Unternehmenskultur an die Wand fährst – Schritt für Schritt

  • Mirko
  • Februar 13, 2018
  • 10 min

Deine Unternehmenskultur ist inspirierend, die Mitarbeiter sind glücklich und die Stimmung prächtig? Das muss nicht so bleiben!

Das HR-Team macht einen guten Job und im Management lebt man transparent die firmeneigenen Werte vor? Es wird im Team gearbeitet und dabei gescherzt und gelacht? Das Ganze ist in deinen Augen ein unerträglicher Zustand und sollte dringlichst geändert werden? Dann ist es Zeit zu handeln, um diesen Zustand der allgemeinen Mitarbeiterzufriedenheit und Firmenharmonie ein für alle Mal ein Ende zu bereiten! Mit der folgenden Anleitung zerstörst du systematisch deine Unternehmenskultur – Schritt für Schritt.

Wie du deine Unternehmenskultur in nur 14 kleinen Schritten zerstörst

 

  • 1. Transparenz
    Klar passieren ab und an Fehler, aber muss wirklich jeder davon wissen? Behalte deine FuckUps lieber für dich, damit du weiterhin als fehlerfreier Supermanager gesehen wirst. Kommuniziere auf keinen Fall Company-Goals oder wichtige Entscheidungen, die das Management betreffen. Wohin das Unternehmen steuert und inwiefern jeder Einzelne dazu beträgt, bleibt besser ein Geheimnis. Die Mitarbeiter sollen sich schließlich auf die Arbeit konzentrieren und nicht von solchen Belanglosigkeiten gestört werden. Am Ende wollen sie sogar noch mitreden…
  • 2. Fingerpointing
    Ein Projekt ist schlecht gelaufen oder du hast deine Ziele mal wieder nicht erreicht? Kein Problem! Suche einfach bei einem deiner Mitarbeiter nach einem passenden Sündenbock und mache ihn vor dem Management zum eigentlichen Schuldigen. Am Ende stehst du wieder einmal gut da und musst dich nicht verantworten. Problem gelöst.
  • 3. Kontrolle
    Achte peinlich genau darauf, wie lange die Raucher unten sind, wie viel Zeit beim Quatschen in der Küche verplempert wird und ob der Toilettengang der Kollegen nicht in einer ewigen Sitzung ausartet. Auch Smartphones sollten während der Bürozeit Tabu sein – genauso wie das private Surfen im Netz (siehe auch Punkt 12: WLAN). Behalte also stets die Bildschirme, Rauch- und Toilettenzeiten deiner Mitarbeiter im Auge und präsentiere deine Protokolle und Ergebnisse im nächsten All-Hands-Meeting.
  • 4. Boykott
    Um bei der Zerstörung der Firmenkultur maßgeblich mitzuhelfen, beginnst du spätestens nach deiner Onboarding-Phase mit „Dienst nach Vorschrift“.  Mache auf keinen Fall mehr als nötig – denn: Ein gutes Pferd springt bekanntlich nur so hoch, wie es muss. Beteilige dich auf keinen Fall an freiwilligen Veranstaltungen wie Company Breakfasts, Team-Events oder Friday Beers. Dabei würde der Zusammenhalt im Team unnötig gestärkt werden und genau das willst du ja verhindern! Die ungeliebten Kollegen während der Arbeitszeit aushalten zu müssen, ist ja schon anstrengend genug.
  • 5. Backstabbing
    Der Kollege aus dem Management war dir schon immer ein Dorn im Auge, weil er schon oftmals eine andere Meinung vertreten hat, als die deine? Zu allem Überfluss glänzt er auch noch in den Brainstormings und verzückt Kollegen und Kolleginnen gleichermaßen? Lass das nicht auf dir sitzen und suche gezielt nach einer Schwäche des Widersachers. Warte geduldig auf einen Fehler und melde diesen dann umgehend per E-Mail seinem Manager oder gleich dem CEO – idealerweise kurz vor dem Wochenende.
  • 6. Reden ist Silber, schweigen ist Gold
    Der Austausch unter Kollegen ist dir zuwider und eigentlich willst du auf der Arbeit auch nur deine Ruhe haben, um ungestört zu „tindern“, zu „snapchatten“ oder bei deinem Online-Kurs „Bierbrauen“ weiterzukommen. Sollte dich trotzdem ein Kollege ansprechen, reagiere latent genervt und halte ihn mit Sätzen wie: „Jetzt nicht, ich habe gleich einen ultra-wichtigen Call“, oder einem schroffen: „Schreib‘ mir eine E-Mail!“, auf Distanz. Nach kurzer Zeit wird dich keiner mehr belästigen.
  • 7. Quietschbunte Sitzsäcke
    Irgendwo hört der Spaß auf! Deine Mitarbeiter sollen sich an ihrem Arbeitsplatz aufhalten und nicht auf irgendeiner Couch oder einem quietschbunten Sitzsack rumlümmeln.  Wenn Kollegen ihren Arbeitsplatz von Zeit zu Zeit verlassen, um eine andere Perspektive auf die Dinge zu erhalten oder sich schlichtweg die Beine zu vertreten, kommen ihnen dabei noch gute Ideen zur Verbesserung des Arbeitsklimas. Dies willst du mit aller Macht verhindern! Nimm dir die Zeit und finde eine Studie, die eindeutig belegt, dass an den Schreibtischen wesentlich effektiver gearbeitet wird und zeige sie dem CEO.
  • 8. Benefits
    Benefits sind ein gutes Mittel, um die Belegschaft bei Laune zu halten. Und nicht selten zahlen die Angestellten die Annehmlichkeiten mit guter Leistung, Kreativität und Motivation zurück. Andererseits kosten sie Geld und schließlich werden alle Kollegen ja schon durch ihr Gehalt entlohnt. Stelle also konsequent die Existenzberechtigung des Kicker-Tisches, der PlayStation, des kostenlosen Parkplatzes oder der Biere am Freitag zur Diskussion, indem du die Office-Managerin eiskalt mit den Kosten konfrontierst: „Könnten diese nicht besser investiert werden?“ So oder so kannst du dir des wachsenden Unmuts unter den Kollegen gewiss sein.
  • 9. Pflanzen
    Thema Pflanzen. Es soll ja Menschen geben, die sogar versuchen mit ihnen zu sprechen. In deinen Augen ist das lächerlich. Schließlich sind wir im Büro und nicht im botanischen Garten. Zwar sollen Einblatt, Drachenbaum und Grünlinie das Raumklima verbessern, die Luft reinigen und wahre Motivationshelfer sein – das interessiert dich aber herzlich wenig. Du hasst das Grünzeug und tust heimlich alles dafür, dass die ungeliebten Bürogewächse nicht lange überleben…
  • 10. Kaffee
    Selbst trinkst du nur Tee und Wasser und siehst gar nicht ein, wieso deine Mitarbeiter literweise guten Fair-Trade-Kaffee in sich hineinschütten? Das muss nicht so bleiben. Konsultiere auch hier deinen besten Freund in Kostenfragen, den Office-Manager, und rechne ihm vor, was der gute Kaffee der Firma in den nächsten Jahren kosten wird. Empfehle gleichzeitig eine deutlich günstigere Marke ohne Geschmack. Das freie Budget kann nun in deinen Lieblingstee „Yin Zhen“ investiert werden, der ja auch viel gesünder und bekömmlicher ist.
  • 11. Komme spät und gehe zeitig
    Ganz ehrlich: Die Zeit im Büro ist eh schon länger,  als die Zeit, die du mit deiner Familie und deinen Freunden (sollte ein Miesepeter wie du so etwas überhaupt haben) verbringst. Deine Freizeit maximierst du am besten mit folgenden Grundsätzen: Gönn‘ dir eine ausgeprägte Mittagspause, sei niemals der Erste im Büro und bleibe auch nie länger als unbedingt nötig! Strafe Meetings außerhalb der Kernarbeitszeit mit deiner Abwesenheit, um ein Statement zu setzen, und beantworte nach Arbeitsschluss grundsätzlich keine E-Mails oder Slack-Nachrichten – ganz gleich, wie wichtig sie auch sein mögen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.
  • 12. WLAN
    Ein stabiles WLAN ist Luxus – das sollten endlich auch die Mitarbeiter akzeptieren, die ständig zur Technik rennen, wenn der drahtlose Internetzugang schwächelt. Und überhaupt, freier Mitarbeiterzugang zum WLAN befeuert doch bloß wieder die allgemeine Ablenkung: Kollegen verbringen mit dem Smartphone mehr Zeit auf dem Klo oder lümmeln auf Sitzsäcken rum (siehe auch Punkt 3: Kontrolle und Punkt 7: Quietschbunte Sitzsäcke). Nein nein, das gute alte Netzwerkkabel tut es auch und hat den Vorteil, dass alle brav an ihren Plätzen bleiben.
  • 13. Home Office
    Gearbeitet wird im Büro und nirgendwo anders! Home Office sollte daher ein Wunsch der Mitarbeiter bleiben. Wo soll das hinführen, wenn manche Kollegen von zu Hause aus arbeiten, am besten noch im Schlafanzug, oder was? Wenn sie denn überhaupt arbeiten, – denn das bezweifelst du sehr (siehe auch Punkt 3: Kontrolle). Sollten einige Kollegen nicht lockerlassen und immer wieder nach Home Office schreien, versprich ihnen, spätestens im nächsten Quartal eine Regelung zu finden, die es natürlich nicht geben wird.
  • 14. Micromanaging
    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Statt dich um wichtige Projekte in deinem Aufgabenbereich zu kümmern, schaust du lieber den Kollegen auf die Finger und greifst kontinuierlich in ihr Aufgabengebiet ein. Du kennst dich schließlich auch in HR-Themen und mit dem Produkt bestens aus und jeder Einzelne soll von deinen Ratschlägen „profitieren“. Deine Präsenz an allen Tischen macht dich mittelfristig zum unersetzbaren Tausendsassa und untergräbt gleichzeitig kontinuierlich die Kompetenz deiner Mitarbeiter. Win-win! Doch mal ehrlich: Bist du ein Mikromanager?

Herzlichen Glückwunsch!

Wenn du nur einige der oben angeführten Punkte beherzigt hast, solltest du am Ziel sein: Die Unternehmenskultur und das Betriebsklima der Company liegt am Boden! Eine Kündigungswelle hat das HR-Büro getroffen! Die Mitarbeiter reden kaum noch miteinander und jeder ist sich selbst der Nächste! … Bravo!
Da wir nicht glauben, dass dies wirklich deine Intention war, als du auf diesen Artikel gestoßen bist, hoffen wir sehr, dass du unsere Anleitung nicht all zu ernst nimmst und in deiner Firma genau das Gegenteil von dem praktiziert wird, was wir hier aufgelistet haben. ?
Vielleicht erkennst du dich oder deine Kollegen aber doch in dem einen oder anderen Punkt wieder. Erwischt? Halb so wild. Der perfekte Arbeitsplatz entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, und es gibt immer Optimierungsmöglichkeiten. Der Rahmen für eine  gesunde Firmenkultur wird zwar vom Management gesetzt, aber letztendlich durch die Mitarbeiter mit Leben gefüllt. Sie kann „nicht verordnet werden“. Wichtige Bestandteile einer intakten Unternehmenskultur beginnen bereits beim Onboarding-Prozess und setzen sich in vielen anderen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, dem sogenannten Retention Management fort.

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