Design Thinking: Von verrückten Ideen und unverhofften Innovationen

  • Martina
  • April 8, 2019
  • 12 min

Montagvormittag, 9 Uhr 50, noch sieht alles nach einem normalen Meeting aus. Nicht mehr lang, denn bald kommen sie: die Kisten mit den kleinen eckigen Bausteinen, den grellbunten Post-its und den ovalen Kärtchen. Wer nun an ein Event für Kinder denkt, hat gewissermaßen recht. Obwohl hier „nur“ Erwachsene zu sehen sind, stehen die inneren Kinder schon in den Startlöchern zur nächsten Ideenattacke. Worauf es beim Design Thinking ankommt und wie es funktioniert, das erfährst du hier.

Design Thinking: Was bitteschön ist das?

Der Begriff des Design Thinking geistert seit geraumer Zeit durch die Fachliteratur und erfreut sich auch hierzulande ansteigender Beliebtheit in den HR-Abteilungen und den Chefetagen. Aber warum? Genau das wollten wir wissen und befragten dazu erst einmal Wikipedia:

„Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht (Nutzersicht) überzeugend sind (…).“

Es handelt sich um einen Lösungsansatz, der aus Kundensicht gedacht wird. Die Herausforderung des Auftraggebers oder der Kundin steht beim Design Thinking an erster Stelle. Dabei werden Menschen, Prozesse und Räume so miteinander verbunden, dass am Ende etwas Neues entstehen kann.

Aha! Laienhaft nehmen wir daher an, dass es sich dabei um echte Produkte, Dienstleistungen und/oder Lösungen handeln könnte. Zugegeben, wir sind neugierig und wollen mehr darüber wissen. Freiwillige Redakteure und Autorinnen unterschiedlicher akademischer Institutionen haben mit Thisisdesignthinking eine unabhängige Plattform geschaffen, auf der über die unterschiedlichen Diskurse und Auslegungen von Design Thinking diskutiert wird. Auf die Frage, was denn Design Thinking sei, antworten sie, dass es sich dabei im Groben um ein Paket aus Denkweisen, Prinzipien, Praktiken und Techniken handelt.

Warum es so einen Ansatz überhaupt braucht, hält der nächste Abschnitt für dich bereit.

Gemeinsam den Innovationsmotor starten

Mit einem Zitat von Prof. Ulrich Weinberg (2015), dem Leiter der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, lassen wir die Design Thinking-Spiele beginnen:

„Mit Design Thinking erfinden wir gerade neu, wie wir in Zukunft zusammen lernen und arbeiten werden in einer immer stärker sich vernetzenden Welt – weg von einem trennenden, auf Einzelkonkurrenz setzenden Modus hin zu einem verbindenden, kollaborativen Denken und Handeln.“

Wir folgern daraus, dass es Prof. Weinberg dabei um das Wir-Gefühl geht, das Menschen dazu befähigt, gemeinsam innovativ zu sein. Konkurrenzdenken wird ersetzt durch ein harmonisches Miteinander. Neues gelingt hier nur mit vereinten Kräften!

So landen wir bei den innovativen Errungenschaften, die ohne diese Herangehens- und/oder Denkweise nicht zustande gekommen wären. Unverhofft kommt oft!

Auch der Experte von Design Thinking und Innovationskultur, Klaus Weissmann, ist überzeugt, dass die Entwicklung der Innovationskultur in Unternehmen immer wichtiger wird. Für die Fachzeitschrift für Management- und Leadership-Entwicklung, Hernsteiner, verfasste er den Artikel „Scheitere schnell, oft und früh!“ und bezeichnete Design Thinking als unternehmerischen Innovationsmotor.

Dieser Motor treibt den kreativen und zugleich systematischen Prozess voran, in dem er alle Beteiligten eines Verkaufsprozesses berücksichtigt. Der Ausgang dieses Kreativprozesses ist offen und erfahrungsgemäß iterativ. Das bedeutet, dass es mehrmalige Wiederholungen braucht, um einen am Markt funktionierenden Prototypen entwickelt zu haben. Umso wichtiger ist, dass die anfängliche Frage präzise formuliert wurde und den Herausforderungen des Auftraggebers gänzlich entspricht.

Menschen im Mittelpunkt

Wie allen Design Thinkern ist es auch Weissmann ein besonderes Anliegen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Es soll nicht nur das Herz des Kunden oder der Kundin erobert werden, sondern auch jenes der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters. Und damit lässt der Ansatz auch gleich unser kununu-Herz höherschlagen.

Design Thinking fördert also auch das Wohlbefinden deiner Mitarbeiter/-innen. Warum? Weil ein Um-die-Ecke-Denken erlaubt ist! Und warum noch? Weil frühes Scheitern erlaubt und sogar erwünscht ist!

Das bestätigt übrigens auch Prof. Weinberg, der Innovationstrainer, in einem sehr interessanten Artikel: „Schafft Räume zum Scheitern!“.

Zum „Sofort-Experten“ mit Design Thinking

Beim Design Thinking bekommt jeder Gedanke und jede noch so verrückte Idee eine Chance. Weissmann gibt während der Ideenfindung der Quantität den Vorrang und sagt´s noch klarer:

„Beim Design Thinking dürfen Räume verändert, Hierarchien ausgeblendet und „Nicht-Experten“ zu „Sofort-Experten“ werden.“

Wenn wir im Design Thinking-Prozess tatsächlich zu „Sofort-Experten“ werden dürfen, dann haben wir soeben ein Date mit einem Alles-ist-möglich ergattert. Wir geben zu, dass sich auch unsere inneren Kinder zu Wort melden. Aufgeregt und neugierig schreien sie im Chor: „Los geht´s!“

Natürlich spielen neben den zahlreichen Expertinnen und Experten auch die Zusammensetzung des Teams eine zentrale Rolle. Sie entscheidet, ob ein Design Thinking-Projekt erfolgreich ist oder nicht. Wie beim Rollenspiel dürfen wir in andere Rollen schlüpfen und uns empathisch auf unser Gegenüber einlassen.

Ein gut durchdachtes, interdisziplinäres Team bewerkstelligt, dass viele Sichtweisen aufeinandertreffen und möglichst unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden. Der Qualitätscheck erfolgt dann, wenn unbeteiligte Personen herangezogen werden und mit den Ergebnissen aus dem Kreativprozess konfrontiert werden. Ihre Bewertung zählt! „Worauf warten wir noch!“

Prozess: Design Thinker verstehen, entwickeln und testen

Wir haben verstanden, dass es zuerst darauf ankommt, ob man das Problem oder die Herausforderung auf Kundenseite verstanden hat. Hier kommen Analysen zum Einsatz. Falls nicht, dann geht es wieder zurück zum Start.

Aber wie geht es dann weiter?

Der Design Thinking Prozess schafft unserem Wissensdurst Abhilfe:

  1. Verstehen
  2. Beobachten
  3. Standpunkt definieren
  4. Ideen finden
  5. Prototyp entwickeln
  6. Testen

Nachdem wir erkannt haben, welche Design Challenge auf uns wartet, begeben wir uns auf die Reise des Kunden – Customer Journey – und beobachten ihn.

Natürlich gibt es für jede Phase unterschiedliche Methoden und Tools, die zum Einsatz kommen können. Neben der Entwicklung von Personas, Stakeholder Maps oder Storytelling – um nur einige zu nennen – wecken wir auch mit LEGO® Serious Play® unseren Spieltrieb und verleihen so der Customer Journey Raum und Kreativität. Indem wir uns beim Bauen entspannen und die Feinmotorik fördern, passiert etwas Schönes: Die Fantasie wird beflügelt und die Vorstellungskraft werkelt Hand-in-Hand mit unserem inneren Kind.

Wenn dieser Schritt erledigt ist, können wir unseren Standpunkt definieren und die gut durchdachte Fragestellung an das Design Thinking Team richten. Hier bereichern unterschiedliche Sichtweisen unseren Kreativprozess.

Bei der Ideenfinding ist alles erlaubt

In der Ideenfindung ist dann – wie bereits freudig vernommen – alles erlaubt. Richtige Ideenattacken! Stell dir vor, es darf auch „gestohlen“ werden! Hier sollen die Ideen anderer dazu benützt werden, um darauf aufzubauen. Gemeinsam erinnern wir uns, dass es die Ich-Perspektive hier nicht mehr gibt. Es gibt daher auch keine eigenen Ideen mehr!

In der nächsten Phase wird der Prototyp gebaut. Das mag vielleicht mechanisch klingen, kann aber neben einer Produktidee, ein Service oder auch ein Erlebnis sein, das hier erstmals Gestalt annimmt. Diesen Schritt stellen wir uns besonders spannend vor.

Last, but not least, wird der Kunde entscheiden, ob es gut ist oder nicht. Und weil das ohne höhere Produktions- und Entwicklungskosten passieren kann(!), ist in vielen Fällen auch ein Scheitern kalkulier- und gut verkraftbar. Das klingt doch nicht schlecht!

Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, inwiefern sich Design Thinking mit dem herkömmlichen Business Thinking matchen lässt und welches New Business Thinking sich daraus ergibt. Leider würde eine eingehende Beschäftigung den Rahmen unseres Beitrags sprengen. Weiterführende Infos: Design Thinking für Führungskräfte – 7 Fragen: 7 Antworten und „Parts without a Whole – die Studie“ .

Worauf achten, bevor es losgeht

Eines ist uns klargeworden: Design Thinking ist keine Eier legende Wollmilchsau, die alle unsere komplexen Themen in einem Aufwasch lösen kann. Es ist ein Ansatz, der vieles verspricht, aber auch einiges offenlässt. Obwohl es vielfältig einsetzbar ist und insbesondere bei komplexen Themen der rettende Zugang sein könnte, sollten zuerst einige Fakten geklärt werden:

  • Ist Design Thinking geeignet für die Beantwortung unserer Fragestellung?
  • Ist mein Unternehmen offen gegenüber neuen Innovationsmethoden?
  • Haben wir genügend Bereiche/Räume, in denen wir unserer Kreativität freien Lauf lassen können? Sind Materialien, Whiteboards und Bausteine vorhanden?
  • Etc.

Wie wir sehen, bedarf es bei den Design Thinking-Spielen doch einiger Überlegungen, bevor sie tatsächlich beginnen können. Sind diese jedoch einmal geklärt, kommen wir endlich zu unserem 10 Uhr-Meeting und den Kisten voller Bausteine und Post-its zurück.

Es geht um die Menschen und ihre Rollen

Um im Design Thinking Meeting erfolgreich zu sein, benötigen wir eine präzise Fragestellung, einen geeigneten Raum und eine klare Rollenverteilung.

Für unser Meeting wünschen wir uns daher …

  • eine/-n Auftraggeber/-in – der/die das Problem versteht
  • ein interdisziplinäres Team – das unterschiedliche Sichtweisen vertritt
  • eine/-n Kunden/-in – der/die iterativ einbezogen wird
  • und eine/-n Moderator/-in – der/die den Prozess begleitet.

Neben einem kreativen, offenen und menschenzentrierten Mindset benötigen wir Spaß an der gemeinsamen Entwicklung, diverse Materialen und die Entfesselung unserer inneren Spielkinder. Lassen wir die Kleinen los, um den Innovationsmotor zum Laufen zu bringen und die Prototypen-Produktion anzukurbeln.

Design Thinking als Weg aus der Krise

Schließen möchten wir mit einem Zitat vom bereits erwähnten Experten für Design Thinking und Innovationskultur, Klaus Weissmann:

„Design Thinking entfaltet heute seine wahre Kraft in einer Zeit der Krise, in der viele Unternehmen und Führungskräfte mit dem Rücken zur Wand stehen, Produkte das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und Innovationen mehr denn je gefragt sind.“

Ganz zu schweigen, von der Ernsthaftigkeit der wirtschaftlichen Situation, die uns auch nach anderen Methoden Ausschau halten lässt, sind wir überzeugt, dass deine Mitarbeiter/-innen auch Spaß am Design Thinking haben könnten. Es erfordert sehr viel Mut, agil, flexibel und als „Sofort-Experte“ auf einem fremden Spezialgebiet zu agieren. Wir erinnern uns: Unverhofft kommt oft! Wer weiß, vielleicht danken sie es dir, indem sie als Design Thinker sagen, was sie tatsächlich denken? Vielleicht zeigen sie es dir in ihren Lego®-Bauwerken, wie sie gewisse Situationen empfinden. So geschehen in diesem Video, in dem Mitarbeiterinnen ihrem neuen Chef mithilfe von kleinen Bauwerken zeigen, wie sie ticken und wie sie sich aktuell fühlen.

Eine hervorragende Alternative, wie du die Stimmung deiner Teams herausfinden kannst, liefern dir unsere speziell entwickelten kununu-Tools zur Förderung des Mitarbeiter-Engagements. Es ist kein Zufall, dass auch unsere interaktiven Themenboards aus dem Design Thinking-Gedanken heraus entwickelt wurden. Wir messen dabei deine Unternehmenskultur in acht verschiedenen Dimensionen. Wie das genau funktioniert, haben wir in unserem Beitrag „So kannst du deine Unternehmenskultur messen“ aufbereitet. Die Messungen und die wöchentlichen Reportings geben wichtige Einblicke, wie es um das Engagement deiner Mitarbeiter/-innen bestellt ist.

Auch bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt! Zugegeben, wir haben es eher auf den Mitarbeiter und die Mitarbeiterin abgesehen, weil sie die wahren Potenziale in einem Unternehmen sind. Egal ob als Ideengeber, Design Thinker oder einfach als wunderbarer Mensch: Wir wollen, dass es euch gut geht! 😉

Wir wünschen dir und deinem Team viel Spaß beim Ausprobieren der Design Thinking-Methoden und würden uns freuen, dir unsere eigenen Innovations-Tools zeigen zu dürfen. Hier kannst du kununu engage unverbindlich kennenlernen.

Viele innovative, ideenreiche und kreative Grüße sendet dir dein kununu engage-Team! ❤️

Video: LEGO® SERIOUS PLAY® aus Sicht des WDR

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kununu engage ist ein HR Feedback-Tool, das dir dabei hilft, ein besserer Arbeitgeber zu werden. Durch kontinuierliches und anonymes Feedback der Mitarbeiter, erhältst du wertvolle Einblicke in die aktuelle Stimmung, und die gelebte Transparenz hilft dabei, eine starke Unternehmenskultur aufzubauen.

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