Arbeite dich glücklich! Was ist Arbeitszufriedenheit und wie lässt sie sich erreichen?

  • Nadia
  • November 27, 2018
  • 14 min

Wer zufrieden mit seinem Job ist, geht nicht nur gerne hin, er leistet auch mehr und bessere Arbeit, bringt sich engagierter ein und ist somit ein echter Gewinn für seine Firma. Hört sich gut an, und du möchtest auch solche Traummitarbeiter haben? Hier erfährst du, was diese wollen, was Arbeitszufriedenheit überhaupt ist und wie du deine Mitarbeiter glücklich machst und sie motiviert Top-Leistungen bringen.

Was Mitarbeiter wollen: Theorien zur Arbeitszufriedenheit

Grau sind bekanntlich alle Theorien. Das gilt allerdings nicht für solche, die sich mit dem Thema Arbeitszufriedenheit beschäftigen. Sie geben nämlich konkrete Hinweise darauf, was Menschen glücklich macht, und lassen sich direkt auf die Bedingungen am Arbeitsplatz adaptieren. Es gibt zahlreiche Theorien zur Arbeitszufriedenheit. Die beiden wichtigsten stellen wir dir hier exemplarisch vor.

Die Bedürfnishierarchie nach Maslow

Abraham Maslow unterscheidet in seiner Bedürfnishierarchie fünf Motive, denen Menschen an ihrem Arbeitsplatz nachgehen:

  1. Selbstverwirklichung
  2. Wertschätzung
  3. Soziale Kontakte
  4. Sicherheit
  5. Physiologische Bedürfnisse
arbeitszufriedenheit maslow pyramide

Einfache Bedürfnishierarchie nach Maslow. (Quelle: Wikpedia)

Maslow unterscheidet dabei zwischen dem Wachstums- oder auch unstillbaren Bedürfnis der Selbstverwirklichung und den Defizit- oder auch stillbaren Bedürfnissen. Wird eines der Defizitbedürfnisse nicht erfüllt, werden Menschen unzufrieden und möchten sie erfüllt sehen. Gelingt das, sinkt die Motivation nach weiterer Befriedigung dieses Bedürfnisses. Das nächste wird angegangen, bis zum Ziel, der Selbstverwirklichung. Anders als bei den Defizitbedürfnissen lässt der Drang nach Selbstverwirklichung mit steigendem Erfolg jedoch nicht nach – im Gegenteil, er wird immer größer.

Die verschiedenen Bedürfnisse sind nicht Schritt für Schritt zu sehen, sondern treten gemeinsam auf, lediglich die Intensität schwankt. Auf die Arbeitsplatzzufriedenheit bezogen bedeutet das: Nur wenn alle Bedürfnisse befriedigt sind, kann sich Zufriedenheit überhaupt einstellen und der Mitarbeiter kann daran gehen, sich selbst zu verwirklichen – und das führt wiederum zum Glück.

Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie

Frederick Herzbergs Theorie zur Arbeitsmotivation basiert auf Maslows Hierarchie, nimmt aber nur zwei Motivationsfaktoren an:

  • Dissatisfiers / Hygienefaktoren
  • Satisfiers / Motivationsfaktoren

Zu den Hygienefaktoren zählen äußere Bedürfnisse wie Sicherheit, Gehalt, Arbeitsumfeld oder Führungsstil. Nach Herzberg werden diese Faktoren als selbstverständlich vorausgesetzt, die für sich alleine gesehen noch nicht motivieren. Nur wenn sie fehlen, wird es brenzlig, Unzufriedenheit macht sich breit.

Nicht so bei den Motivationsfaktoren: Erfolg, Selbstverwirklichung, Sinn in der Arbeit sehen, Verantwortung übernehmen – all das führt zu einer höheren Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Fehlen diese Faktoren, muss das nicht unbedingt bedeuten, dass der Mitarbeiter unzufrieden ist. Für die Motivation ist es jedoch auch nicht gerade förderlich. In der Praxis bedeutet das: Sieh zu, dass die Motivationsfaktoren erfüllt werden. Dann klappt es auch mit der Zufriedenheit.

Fassen wir zusammen: Es gibt Faktoren, die am Arbeitsplatz unbedingt gegeben sein müssen. Dazu gehören Sicherheit und Wertschätzung, soziale Kontakte zu den Kollegen, ein angenehmer Führungsstil und ein angemessenes Gehalt. Fehlen sie, kann sich das oberste Ziel nicht einstellen: die Selbstverwirklichung, die schließlich dazu führt, dass Mitarbeiter mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden sind.

Warum ist Arbeitszufriedenheit wichtig?

Dass zufriedene Mitarbeiter dem Erfolg deines Unternehmens guttun, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch das ist nicht nur aufgrund besserer Leistungen so. Pro Arbeitszufriedenheit sprechen noch mehr Faktoren.

Bleiben oder gehen?

Zufriedene Mitarbeiter sind weniger häufig krank und wechseln seltener den Job. Von diesen Phänomenen berichten zahlreiche Studien, die sich mit dem Thema Glück und Zufriedenheit am Arbeitsplatz beschäftigt haben. Die Jobbörse StepStone fasste einige dieser Studien zusammen: Laut dem UK Foresight Programm wird durch Fehlzeiten, eine hohe Fluktuation und Präsentismus – Kollegen, die zwar anwesend sind, aber keine oder nur geringe Leistung bringen – ein Schaden von rund 26 Milliarden Pfund verursacht. Und unglückliche Mitarbeiter verharren nicht lange in ihrem Zustand: 85 Prozent würden sich eine neue Stelle suchen, wenn ihnen ihr Job nicht passt, ermittelte StepStone. Zwar würden 15 Prozent bleiben, das nützt dir jedoch wenig, da unglückliche Kollegen meist nur noch Dienst nach Vorschrift leisten. Und das schadet dem Unternehmen mehr, als wenn der Mitarbeiter einfach geht.

Vorsicht, Energievampire!

Im September 2018 erschien der aktuelle Gallup Engagement Index mit Ergebnissen, die denen aus den Vorjahren ähneln. 2018 sind es 71 Prozent der Befragten, die sich als eher mittelmäßig motiviert ansehen und nur noch Dienst nach Vorschrift leisten. Laut Gallup kostet diese geringe Leistungsbereitschaft die deutsche Volkswirtschaft bis zu 103 Milliarden Euro. Und noch eine Gefahr geht von den Unmotivierten aus: Sie verbreiten schlechte Stimmung unter den bislang noch motivierten Kollegen, die schließlich ebenfalls weniger Engagement an den Tag legen.

Das Image aufpolieren

Glückliche Mitarbeiter sprechen über ihren Arbeitgeber und der kann sich über kostenlose Imagewerbung und einen guten Ruf freuen. Das zieht wiederum interessante Mitarbeiter an, die sich aufgrund ihrer hohen Qualifikation ihren Arbeitgeber aussuchen können – dein Glück, wenn sie sich für dein Unternehmen entscheiden. Glückliche Mitarbeiter sind damit eine klare Win-win-Situation für das Unternehmen.

Wie werden Mitarbeiter zufrieden?

Was macht Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz nun konkret zufrieden? Dass sie bestimmte Bedürfnisse erfüllt sehen möchten, haben die oben besprochenen Theorien herausgefunden. Was kann der Arbeitgeber tun, damit das gelingt?

Das Marktforschungsinstitut Qualtrics fasste im Jahr 2017 in einer Studie die zehn Motivationsfaktoren von Arbeitnehmern zusammen:

  1. Anerkennung durch den Chef
  2. Vertrauen ins Team
  3. Vertrauen in die Führungsriege
  4. Vertrauen der Chefs in die Mitarbeiter
  5. Problemlösungskompetenz der Führungskraft
  6. Ausgeglichene Work-Life-Balance
  7. Wissen um den eigenen Beitrag zum Unternehmensziel
  8. emotionale Ausgeglichenheit
  9. Faires Gehalt
  10. Identifikation mit dem Job

Anerkennung vom Chef ist dabei der wichtigste Faktor: Je höher die Wertschätzung, desto höher die Arbeitszufriedenheit. Rund 86 Prozent der von Qualtrics Befragten freuen sich auf ihren Arbeitstag, wenn sie regelmäßig Anerkennung vom Vorgesetzten erhalten. Vertrauen spielt ebenfalls eine große Rolle, wenn du möchtest, dass deine Mitarbeiter ihren Job gerne ausüben, und zwar sowohl in das eigene Team als auch in die Chefetage. Diese sollte zudem umgekehrt auch den Mitarbeitern vertrauen und ihnen etwas zutrauen. Hier sind wir wieder beim Stichwort Selbstverwirklichung. Je häufiger Chefs ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, neues auszuprobieren und Vertrauen in ihre Ideen und Fähigkeiten haben, desto lieber gehen sie zur Arbeit.

Zum Gespräch bitte!

Eine konstruktive Feedbackkultur zählt ebenfalls zu den Faktoren, die Mitarbeiter zufrieden machen. Gute Leistungen sollten gelobt werden und auch wenn nicht alles glatt läuft, ist eine transparente Kommunikation angesagt. Wie wichtig Feedback im Unternehmen ist, erfährst du detailliert hier.

Offenes, zeitnahes Feedback ist auch ein Kennzeichen agiler Unternehmen. Dieses Ergebnis beleuchtet auch die jüngste Gallup-Studie. Sie fand heraus, dass Mitarbeiter, die ihr Unternehmen für agil halten, sich stärker verbunden fühlen. Ein agiles Unternehmen zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Mitbestimmungsrecht der Mitarbeiter aus, durch schnelle, unbürokratische Entscheidungen, Innovationsfähigkeit und eine offene Fehlerkultur. Durch Faktoren also, mit denen sich Mitarbeiter in hohem Maße selbst verwirklichen können.

Chef gut, alles gut

Auf die Kompetenz der Vorgesetzten weit die Gallup-Studie ebenfalls hin: Dem zufolge sind die Chefs zum großen Teil Schuld an unmotivierten Mitarbeitern. Wer sich an sein Unternehmen nicht gebunden fühlt, empfindet seine Führungskraft meist als wenig motivierend. Finde hier heraus, ob du ein guter Chef bist.

Das könnte auch daran liegen, dass diese keine klare Kommunikation beherrscht und Ziele, wenn überhaupt, nur schwammig formuliert. Wer nicht weiß, warum er seinen Job eigentlich ausübt und was von ihm erwartet wird, schiebt Frust. Die Ziele müssen allerdings realistisch erreichbar sein. Andernfalls wird der Job als purer Stress empfunden und der Motivationsfaktor emotionale Ausgeglichenheit ist dahin. Ein angemessenes Gehalt und schließlich die Identifikation mit dem Unternehmen, seinen Zielen und Werten, führen ebenfalls zu einer hohen Arbeitszufriedenheit.

Glücksvergleich: Diese Branchen sind am zufriedensten

Qualtrics fand ebenfalls heraus, in welchen Wirtschaftszweigen diese paradiesischen Bedingungen Realität sind. Ganz vorne liegt die ITK-Branche, gefolgt von der Tourismus- und der Gastronomiebranche. Weit abgeschlagen sind Medien- und Werbeunternehmen.

Wie lässt sich Arbeitszufriedenheit messen?

Wie steht es in deinem Unternehmen mit der Arbeitszufriedenheit? Erfüllst du die Wünsche und Anforderungen deiner Mitarbeiter – mit Feedback, Lob und Anerkennung, Vertrauen, Selbst- und Mitbestimmung, einem offenen, agilen Führungsstil und einer transparenten Kommunikation? Du bist sicher, das passt schon? Das könnte ein Irrtum sein. Die Crux ist nämlich: Während die meisten Vorgesetzten finden, dass ihre Belegschaft sich wohlfühlt und zufrieden ist, haben die Mitarbeiter eine ganz andere Meinung. Die StepStone-Studie fand heraus, dass Arbeitgeber das Glück ihrer Mitarbeiter auf einer Skala von 1 bis 10 auf 7,2 einstuften. Die Arbeitnehmer selber gaben aber gerade einmal einen Wert von 5,1 an.

Ein solcher Irrtum kann fatale Auswirkungen haben. Spätestens, wenn die Fluktuation überhandnimmt und die verbleibenden Mitarbeiter sich nicht mehr zu neuen Ideen und engagierter Arbeit motivieren lassen, solltest du dich fragen, wie es um die Arbeitszufriedenheit in deiner Firma steht. Dafür gibt es verschiedene Messmöglichkeiten.

Feedback und Mitarbeiterbefragungen

Wie stark weichen die Erwartungen deiner Mitarbeiter an einen motivierenden Arbeitsplatz von der Realität ab? Mit standardisierten Befragungen erfährst du es. Dabei haben sich verschiedene Feedback-Methoden bewährt. Klassische Befragungen haben allerdings einen Haken, wenn es darum geht, die Arbeitszufriedenheit zu messen: Kaum ein Mitarbeiter wird im direkten Gespräch mit dem Vorgesetzten seinen Ärger mit Firma und Vorgesetzten – also womöglich mit dir persönlich – dezidiert ausbreiten. Zudem finden solche Gespräche meist nicht regelmäßig statt. Unzufriedenheit kann sich jedoch schnell breit machen, vor allem, wenn es zuvor Veränderungen im Unternehmen gab. Mitunter sind es Kleinigkeiten, die nicht direkt angesprochen werden – und beim Jahresgespräch kann es dafür bereits zu spät sein.

Digitales Feedback als Alternative zu Mitarbeitergesprächen

Anders sieht es bei digitalen Feedbacktools aus. Mit diesen holst du dir schnell und auf Wunsch auch anonym tagesaktuelle Meinungen und Stimmungen ein. Du kannst Veränderungen direkt nachvollziehen und etwa auf bestimmte Ereignisse in der Firma zurückführen: Gab es Veränderungen in der Führungsriege, wurden neue Vorgaben eingeführt, läuft ein anspruchsvolles Projekt, das Mehrarbeit erfordert – und welchen Einfluss hat all das auf die Zufriedenheit bei der Arbeit? Tools wie kununu engage ergänzen die klassische Mitarbeiterbefragung und geben innerhalb von Minuten Auskunft darüber, wie zufrieden die Belegschaft aktuell mit ihrem Job ist.

Auch indirekt kannst du wertvolle Hinweise erhalten, wie es um die Arbeitsplatzzufriedenheit bestellt ist. Häufen sich Fehlzeiten, machen Mitarbeiter mehr Fehler und bringen sich weniger ein? All das deutet darauf hin, dass etwas nicht rund läuft und du solltest gegensteuern – bevor die Fluktuationsrate steigt.

Mach’s besser: So steigerst du die Arbeitsplatzzufriedenheit

Was Mitarbeiter wollen, weißt du nun – doch wie umsetzen? Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz zu verbessern, ist keine Sache von Einzelmaßnahmen. Flexible Arbeitszeiten allein bringen genauso wenig wie ein hohes Gehalt, wenn das Vertrauen seitens des Chefs fehlt. Ein erster Schritt hin zu einer höheren Zufriedenheit und damit Motivation ist Zuhören: Wo gibt es Kritikpunkte, wo benötigen Mitarbeiter Unterstützung, welche Ideen haben sie? Das allein zeigt schon Wertschätzung und Vertrauen – vor allem, wenn Ideen umgesetzt und Veränderungen angestoßen werden.

Arbeit 4.0 – mit digitalen Lösungen zu höherer Arbeitsplatzzufriedenheit

Mehr Zufriedenheit kann auch die Digitalisierung bringen – Stichwort Arbeit 4.0: Durch die zunehmende Vernetzung von Mensch und Maschine steht die Arbeitswelt vor einem Umbruch, und das sowohl was die Tätigkeiten und die Einstellung zum Job angeht, als auch den Arbeitsort. Die Digitalisierung verschafft Unternehmen die Möglichkeit, neue Arbeitsplatzkonzepte zu entwickeln, mit denen sich die Zufriedenheit erhöhen lässt und die zudem Kosten sparen, etwa durch Flächeneinsparungen.

Projekte können über verschiedene Standorte hinweg gemanagt werden und mit den besten Mitarbeitern ihres Fachs besetzt werden – unabhängig davon, wo die sich gerade befinden. Das kann auch auf dem heimischen Sofa, im Café oder im Park sein. Benötigt werden lediglich Notebook, Smartphone und die technische Infrastruktur. Auch am Unternehmensstandort selbst kann Flexibilität die Zufriedenheit und Produktivität erhöhen und zugleich Kosten sparen: Open-Space-Modelle wie sie etwa Vodafone in Düsseldorf oder Microsoft in München standortweit eingeführt haben, ließen die Produktivität und Zufriedenheit sprunghaft ansteigen.

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kununu engage ist ein HR Feedback-Tool, das dir dabei hilft, ein besserer Arbeitgeber zu werden. Durch kontinuierliches und anonymes Feedback der Mitarbeiter, erhältst du wertvolle Einblicke in die aktuelle Stimmung, und die gelebte Transparenz hilft dabei, eine starke Unternehmenskultur aufzubauen.

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