Mitarbeiterzufriedenheit stärken: Warum Lob alleine nicht ausreicht

  • Kateryna
  • Dezember 11, 2018
  • 7 min

Wer seine Arbeit gerne macht, macht sie in der Regel schneller und besser als jene, die mit der Arbeit oder den Umständen im Unternehmen weniger zufrieden sind. Lob ist für die Mitarbeiterzufriedenheit von entscheidender Bedeutung – aber längst nicht alles.

Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterzufriedenheit

Schaut man sich die Zahlen zur Mitarbeiterbindung oder Mitarbeiterzufriedenheit an, findet man sehr unterschiedliche Angaben. Im aktuellen Gallup-Engagement-Index von 2018 liegt Deutschland weit hinter der Spitze. Demnach geben 15 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hierzulande an, stark emotional an den Arbeitgeber gebunden zu sein. In Amerika ist der Wert mit 33 Prozent mehr als doppelt so hoch.

71 Prozent der Beschäftigten sind laut Gallup nur gering emotional an den Arbeitgeber gebunden. 14 Prozent überhaupt nicht. Dieses Manko an Mitarbeiterbindung verringere das Engagement der Belegschaften, so Gallup. Den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert das US-Unternehmen mit 80 bis 100 Milliarden Euro.

Wie zufrieden sind die Arbeitnehmer denn nun?

Brechen also dunkle Zeiten an? Wohl nicht. Es gibt auch andere Studien. In der aktuellen Qualtrics-Studie geben zwei von drei Beschäftigten in Deutschland an, in den kommenden beiden Jahren bei ihrem Arbeitgeber bleiben zu wollen. Gleichzeitzig belegen die Zahlen von Qualtrics: Es gibt reichlich Luft nach oben. Beispielsweise wären 89 Prozent der Beschäftigten gerne bereit, auch länger bzw. dauerhaft im Unternehmen bleiben zu wollen. Allerdings unter einer Voraussetzung: Führungskräfte sollen laut Wunsch der Belegschaften bereit sein, Probleme mit Hilfsbereitschaft und Empathie zu lösen. Und offenbar drückt hier der Schuh – gleich aus mehreren Gründen.

Führungskräfte bestimmen die Mitarbeiterzufriedenheit maßgeblich

97 Prozent der deutschen Führungskräfte halten sich laut Gallup-Engagement-Index für gute Vorgesetzte. Gleichzeitig geben 69 Prozent der Beschäftigten an, schon mindestens einen schlechten Chef gehabt zu haben. Auch ohne ausgeprägte mathematische Kenntnisse wird klar: Das geht nicht auf. Michaela Just, freie HR Managerin aus München: „Führungskräfte neigen nicht selten zur Selbstüberschätzung. Das ist aber kein böser Wille.“ Vielmehr erhielten Führungskräfte häufig von oben Bestätigung. „Und stellen dann das Verhältnis zu den Mitarbeitern kaum mehr auf den Prüfstand.“

„Führungskräfte neigen nicht selten zur Selbstüberschätzung.
Das ist aber kein böser Wille.“ – Michaela Just

Als Interimmanagerin und Businesscoachin kennt Just die Themenstellungen rund um Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement sowohl aus Sicht der Unternehmensführung als aus der Beschäftigtenperspektive. Sie bestätigt: „Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen viel mehr Gewinn als auf den ersten Blick ersichtlich.“ Sie verweist darauf, dass es im Durchschnitt bis zu 100 Tage dauere, bis eine Stelle neu besetzt werden könne. „Der Verlust ist da. Ganz gleich, wer von beiden gekündigt hat.“ Es sei im zentralen Interesse des Unternehmens, durch Mitarbeiterzufriedenheit die sachliche und emotionale Bindung der Mitarbeitenden zu fördern. Aber wie?

Positives Feedback erhöht Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement

Der Zusammenhang von Lob und Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist offenkundig. Beschäftige, die regelmäßig oder häufig gelobt werden, bleiben in der Regel im Unternehmen. Nur 6,5 Prozent streben laut Qualtrics-Studie einen Wechsel an. Ganz anders sieht es bei jenen aus, die selten oder nie gelobt werden. Hier tragen sich nahezu 40 Prozent mit dem Gedanken, das Unternehmen zu verlassen.

Angesichts dieser Bedeutung von Feedback für die Mitarbeiterzufriedenheit überrascht, dass Mitarbeitergespräche in deutschen Unternehmen noch immer nicht die Regel sind. Laut Gallup hat nur etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten (56 Prozent) innerhalb Jahresfrist ein Mitarbeitergespräch mit dem direkten Vorgesetzten geführt.

Lob motiviert – aber nicht zwingend

Erstaunlicherweise ist Lob nicht überall ein durchschlagendes Kriterium für Wohlbefinden am Arbeitsplatz. In der Finanzbranche beispielsweise ist positives Feedback fast die Ausnahme. In der Qualtrics-Studie geben nur 36 Prozent der Beschäftigten, regelmäßig oder öfter positives Feedback zu erhalten. Dennoch sind 29 Prozent sehr zufrieden und 36 Prozent immerhin noch zufrieden. In der Summe macht das fast Zweidrittel. Die höchste Mitarbeiterzufriedenheit verbucht gegenwärtig die Automobilindustrie. Trotz des Umbruches geben 68 Prozent der Beschäftigen an, mit der Stelle zufrieden zu sein.

Work-Life-Balance und Mitarbeiterzufriedenheit

Was also trägt neben Lob zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Schauen wir uns noch einmal die Finanzbranche an. Laut Qualtrics-Studie spielt die Work-Life-Balance eine wichtige Rolle. Immerhin sagen 65 Prozent der Finanz-Beschäftigen, dass sie mit dem Verhältnis von Berufsleben und Privatleben zufrieden oder sehr zufrieden sind.
Eine positiv wahrgenommene Work-Life-Balance alleine aber kann Mitarbeiterzufriedenheit auch nicht erklären. Das zeigt wiederum der Blick auf die Automobilbranche: Hier ist die Mitarbeiterzufriedenheit überdurchschnittlich hoch (68 Prozent, siehe oben). Die Work-Life-Balance bezeichnen aber nur 51 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als gut oder sehr gut.

„Ohne positive Rückmeldung von Führungskräften gehen Beschäftigte früher oder später in die innere Kündigung.“ – Michaela Just

Unterschiedliche Quellen von Mitarbeiterzufriedenheit

„Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement speisen sich aus Quellen, die individuell sehr verschieden sein können,“ weiß Michaela Just. Je höher die Qualifikation, umso mehr Wert legten Beschäftigte auf unternehmerischen und persönlichen Entscheidungsspielraum sowie wertschätzende Kommunikation. Für gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hingegen seien Arbeitsplatzsicherheit und Gehaltssteigerungen wichtiger. Allerdings gelte auch hier: Ohne positive Rückmeldung von Führungskräften gehen Beschäftigte früher oder später in die innere Kündigung, belasten Produktivität und Stimmung – und damit das Ergebnis. „Von daher sind kommunikationsstarke Führungskräfte in jedem Segment in jedem Unternehmen ein Gewinn.“ Unternehmen täten immer gut daran, die emotionale Bindung der Belegschaften zu verstärken und die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern.

Zur Person:
Michaela Just [www.justtime.de] ist HR-Interim Managerin, externe Personalleiterin und Business Coach in München. Sie begleitet Unternehmen vor allem bei Projekten im Personal- und Change Management.

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