Mitarbeiterbindung: Wir entkräften die 5 größten Mythen

  • Mona
  • November 5, 2019
  • 9 min

Ein sicherer Job und 30 Tage Urlaub – vor einem Jahrhundert mögen solche Benefits ausgereicht haben, einen Mitarbeiter über Jahrzehnte an das eigene Unternehmen zu binden. Heute sind sie eine Selbstverständlichkeit – und nichts, wovon sich gute Mitarbeiter noch beeindrucken ließen.

Denn der alte Deal “Gib mir deine Arbeitskraft, und ich bezahle dich dafür” gilt nicht mehr. Spezialisierte Fachkräfte wissen um ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem in wissensbasierten Berufen ist die Rollenverteilung längst eine andere: Nicht mehr das Unternehmen sucht den Bewerber aus, sondern der Bewerber das Unternehmen. Wer also einmal eine gute Fachkraft gewinnen konnte, sollte alles daransetzen, diese auch langfristig zu halten.

Mitarbeiterbindung lautet hier das Schlagwort, das seit Jahren durch die Chefetagen hallt. Und inzwischen wissen wir, dass es sich dabei um mehr als nur ein kurzlebiges Buzzword handelt.

Junge Startups, aber auch alteingesessene Großkonzerne haben längst erkannt, wie wichtig ein gutes Retention Management, also eine Strategie für gelungene Mitarbeiterbindung, für den Erfolg eines Unternehmens ist. Nicht nur, weil langfristig motivierte Mitarbeiter deutlich leistungsbereiter und kreativer sind als jemand, der bereits innerlich gekündigt hat.

Schlechte Unternehmenskultur kann teuer werden

Mitarbeiter erfolgreich zu binden, bedeutet auch, eine hohe Fluktuation zu vermeiden. Denn mit jedem Mitarbeiter geht nicht nur wertvolles Wissen verloren: Neue Mitarbeiter müssen gefunden und eingearbeitet werden – das kostet Geld, Zeit und Kapazitäten. In ganz Deutschland bis zu 103 Milliarden Euro jährlich, wie das Beratungsunternehmen Gallup in seiner neuesten Studie zur Arbeitsplatzqualität errechnet hat: Gallup Engagement Index, eine Studie zur Arbeitsplatzqualität.

Untersucht wurde außerdem der Zusammenhang zwischen der Unternehmenskultur und wirtschaftlichem Erfolg. Das Ergebnis: Über 14 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland haben bereits innerlich gekündigt und keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen. Ihre Leistungsbereitschaft ist entsprechend geringer.

Angesichts solcher Ergebnisse investieren immer mehr Firmen in die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter: Sie schütten Boni aus oder verdoppeln die Zahl der Urlaubstage – und scheitern damit am Ende krachend.

Warum? Weil nicht jede Maßnahme zur Mitarbeiterbindung auch zum gewünschten Erfolg führt – und im schlimmsten Fall sogar richtig teuer werden kann.

Wir räumen auf mit den größten Irrtümern zum Thema Mitarbeiterbindung – und erklären, was wirklich funktioniert.

Mythos Nummer 1: Nur klare Vorgaben führen zum Ziel

Okay, für den Job am Fließband mag das stimmen – in allen anderen Berufen gilt: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Wer nicht auch mal sein kreatives Potenzial ausschöpfen und selber denken darf, verliert früher oder später die Begeisterung am Job.

Zu diesem Ergebnis ist 2018 zum Beispiel das StepStone Research Team gekommen, das für seinen Arbeitsreport 17.000 Fach- und Führungskräfte in Deutschland gefragt hat, was für sie einen guten Job ausmacht. Ganze 86 Prozent der Befragten nannten das Stichwort “Freiheit”.

Sie wollen selbstständig Entscheidungen treffen und Aufgaben so erledigen, wie sie es für richtig halten, statt in einem straff geführten Unternehmen zu arbeiten. Was nicht bedeutet, dass der Teamchef dadurch überflüssig wird, im Gegenteil: Die große Kunst besteht darin, das eigene Know-How sowie Ziele und Visionen des Unternehmens so rüberzubringen, dass die Mitarbeiter sie verinnerlichen – und sich am Ende aus freien Stücken engagieren.

Gerade im Zeitalter der Digitalisierung seien flexible Arbeitsumgebungen gefordert, sagt zum Beispiel Lutz Hirsch, Gründer der Schweizer Intranet Agentur Hirschtec.  Versprechungen von “flachen Hierarchien”, “kurzen Entscheidungswegen” und “Freiraum für Eigeninitiativen” würden sich nach dem Bewerbungsgespräch häufig als leere Floskeln erweisen, was letztlich zur Enttäuschung führt. Stattdessen sollten Mitarbeiter an wichtigen Entscheidungen beteiligt werden und eine offene Kommunikationskultur bestehen, so der Experte für Unternehmenskommunikation.

Mythos Nummer 2: Geld hält

Keine Frage, mit einer Bezahlung am Existenzminimum wird vermutlich auch der loyalste Mitarbeiter früher oder später das Handtuch werfen. Trotzdem: Motivation und Zufriedenheit lassen sich nicht kaufen.

Weder mit der fetten Gehaltserhöhung noch mit Boni, Einmalzahlungen oder anderen geldwerten Vorteilen wie dem Firmenwagen oder der Fitness-Studio-Mitgliedschaft.

Der Personalexperte Frank Thieme spricht auf seinem Blog sogar von einer “Belohnungsindustrie”, die sich über Jahrzehnte in vielen Unternehmen etabliert habe – und die unter dem Deckmantel der Mitarbeiterbindung verkauft werde.

Tatsächlich geht die Gleichung, dass mehr Geld auch zu weniger Fluktuation führt, schon nicht mehr auf: Denn was am Ende des Monats auf dem Lohnschein steht, ist für viele Mitarbeiter längst nicht mehr alles entscheidend.
Laut Global Talent Monitor, einer vierteljährlich erscheinenden, repräsentativen Studie des Analysehauses CEB, steht der Faktor Gehalt bei deutschen Arbeitnehmern sogar nur noch an sechster Stelle – und damit hinter Kriterien wie einer guten Work-Life-Balance und einem netten Team.

Personalchefs täten also besser daran, anderweitige Anreize zu schaffen, die den Job wertvoll machen. Individuell zugeschnittene Aufgaben, in denen sich der einzelne Mitarbeiter verwirklichen kann, zum Beispiel.

Der alte Spruch “Je mehr, desto besser” kann übrigens auch schnell nach hinten losgehen. Wer seine Mitarbeiter ständig mit Geld überschüttet, um sie an der Stange zu halten, erweckt schnell den Anschein, nicht wirklich an den individuellen Stärken des Mitarbeiters interessiert zu sein.

Mythos Nummer 3: Kickertisch & Club Mate sorgen für tolle Stimmung

Kickertisch, Freigetränke und täglich frisches Obst? Pfff! Schnee von gestern. Wer seine Mitarbeiter wirklich glücklich machen will, lässt sie mindestens von einer “Feel-Good-Oma” bekochen und stellt ihnen einen Personaltrainer zur Seite. Zumindest möchte das meinen, wer sich einmal durch die Jobangebote großer und kleiner Firmen geklickt hat. Denn um das eigene Büro zu einem perfekten Wohlfühlort zu machen, scheinen Unternehmen keine Kosten mehr zu scheuen. Aber welcher Mitarbeiter hat schon den Gedanken an die Kündigung verworfen, weil ihm das viele frische Obst eingefallen ist, das er womöglich noch auf Firmenkosten essen könnte?

Klar, ein freundliches Arbeitsumfeld ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit im Büro. Und dass ein freundschaftliches, lockeres Miteinander zu mehr Leistungsbereitschaft bei den Mitarbeitern führen kann, wissen nicht mehr nur die jungen Startups. Nur werden gemütliche Ledersofas, Spiele-Ecken und leckere Softdrinks allein nicht für eine gute Stimmung im Büro sorgen. Ebenso wenig wie regelmäßige Ausflüge in den Kletterpark oder zum Paintball.

Was langfristig motiviert, sind persönliche Erfolge und das Gefühl, gebraucht zu werden. Nur wer regelmäßig gefordert wird und die Chance hat, seine eigenen Leistungen unter Beweis zu stellen, wird auch langfristig nach Feierabend zufrieden nach Hause gehen.

Mythos Nummer 4: Mehr Loben! Fehler besser nicht ansprechen

Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass nur Lob und Anerkennung motivierend wirken – Kritik dagegen nur runterzieht. Richtig ist: Zu einer guten Feedbackkultur gehört beides. Regelmäßige Rückmeldungen und konstruktive Kritik sind nicht nur entscheidend dafür, dass die gesteckten Ziele auch erreicht werden. Dem einzelnen Mitarbeiter beweisen sie auch, dass der Vorgesetzte an einer ehrlichen, vertrauensvollen Beziehung interessiert ist. Denn wer sich mit den individuellen Stärken und Schwächen eines Mitarbeiters auseinandersetzt, beweist, dass er dessen Leistung anerkennt. Eine offene Feedbackkultur hat also auch etwas mit Wertschätzung zu tun.

Laut der Studie “Jobzufriedenheit 2017” impliziert das für neun von zehn Befragten auch, dass sie regelmäßiges und ehrliches Feedback von ihrem Chef bekommen.

Die Betonung liegt auf “ehrlich”, denn auch in Sachen Feedback kann die gute Absicht im schlimmsten Fall nach hinten losgehen: Zu viel Lobhudelei an falscher Stelle kommt auf Dauer nicht gut an. Wer unbegründet Lob empfängt, wird früher oder später hinterfragen, ob das, was er tut, überhaupt von Relevanz ist.

Wirklich wertgeschätzt wird sich nur der fühlen, dessen Leistungen faktisch honoriert werden. Also: Lob am besten nicht mit der Gießkanne verteilen.

Mythos Nummer 5: Wie Mitarbeiterbindung funktioniert, entscheidet der Chef

Womit wir wieder beim Thema “selbstständiges Arbeiten” wären. Natürlich, Retention Management, also die Bindung strategisch wichtiger Mitarbeiter, ist Sache der Personalverantwortlichen. Trotzdem wäre es unklug, hier über den Kopf der Mitarbeiter hinweg zu entscheiden, was ihnen guttut und welche Bedürfnisse sie haben. Mögen die Absichten noch so gut gemeint sein – finden sie letztlich keinen Anklang, sind sie vergebene Liebesmüh.

Eine Möglichkeit, die Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung einzubinden, sind regelmäßige Mitarbeiterbefragungen, wie sie kununu engage anbietet. Mit dem HR-Feedback-Tool erhalten Unternehmen regelmäßig Rückmeldung zur Stimmung in der Firma – und können so bereits frühzeitig auf sich anbahnende Unstimmigkeiten reagieren.

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