Leitfaden: Die ersten 100 Tage als Chef

  • Nadia
  • September 22, 2018
  • 15 min

Geschafft! Du hast die nächste Stufe der Karriereleiter erreicht. Endlich Chef! Ob du als neue Führungskraft in ein Unternehmen eingestiegen bist oder dich vom Teamplayer zum Boss hochgearbeitet hast: Die ersten 100 Tage entscheiden über „Hopp oder Top“. Hier erfährst du, welche neuen Aufgaben auf dich warten, welche Erwartungen es zu erfüllen gibt – und von wem – und wie du ein guter Chef wirst, der sein Team erfolgreich managt.

Was macht einen guten Chef aus?

Die schlechte Nachricht zuerst: Fachliche Kompetenz ist beim Chef-sein kaum mehr gefragt. Klar, du solltest wissen, woran dein Team da gerade arbeitet. Die Experten sollten jedoch in deinem Team sitzen. In deiner Position spielen Soft Skills eine weitaus größere Rolle: deine Fähigkeit, Ziele klar zu definieren und durchzusetzen, Aufgaben zu delegieren, Vertrauen aufzubauen und zu schenken – das erwarten sowohl deine Mitarbeiter als auch deine Chefs von dir.
Tappe dabei jedoch nicht in die Beliebtheitsfalle. Du solltest dir Respekt und Anerkennung verschaffen – wie das gelingt, liest du weiter unten –, es geht jedoch nicht darum, dass du dich in den Reihen der Mitarbeiter beliebt machst. Im Gegenteil: Gerade wenn du aus dem Team in die Führungsrolle geschlüpft bist, ist zunächst Abstand angesagt. Die Zeiten, mit deinen Kollegen über das Wochenende zu plaudern, sind vorbei. Du bist nicht der beste Freund deiner Mitarbeiter. Wenn du es schaffst, dir Vertrauen und Respekt zu verschaffen, du fair, transparent und ehrlich agierst, wirst du belohnt: mit einem motivierten Team, das gerne für dich arbeitet und volle Power bringt.

Die Antrittsrede: das gehört hinein – und das nicht

Vorstellen muss sein – und wie du das machst, hat großen Einfluss auf dein Ansehen als Chef und somit auf deinen Erfolg. Du musst keine endlos lange Rede halten, im Gegenteil: kurz, knapp, konkret und so persönlich wie möglich sollte deine erste Ansprache an dein Team sein. Hier findest du einige Punkte, die hineingehören:
Erzähle, wer du bist: Woher kommst du, was hast du bisher geschafft? Persönliches ist erlaubt, sofern du nicht deine ganze Lebensgeschichte referierst. Hobbys und andere Leidenschaften eignen sich gut, um persönlich zu werden, ohne zu viel preiszugeben. Auch warum du deine neue Position angenommen hast und was du von ihr erwartest, sind mögliche Punkte.
Bleibe natürlich: Marketing-Sätze aus dem Handbuch des kleinen Managers haben in deiner ersten Team-Ansprache nichts verloren. Rede mit deinen Mitarbeitern stattdessen so, wie es du im Freundeskreis tun würdest. Das bedeutet auch, deine Ziele konkret zu nennen.
Gute Rede – auch zum bösen Spiel: Negative Fakten haben in deiner Antrittsrede nichts verloren. Weder zu den bisher weniger erfolgreichen Strategien noch über deinen Vorgänger. Konzentriere dich lieber darauf, was du in Zukunft neues wagen möchtest.
Formuliere deine Erwartungen: was hast du vor und was soll das Team dazu beitragen?
Mach Lust auf mehr: Die Antrittsrede ist dazu da, dich kurz vorzustellen. Belasse es dabei und kündige lieber an, in den nächsten Tagen und Woche Einzelgespräche und einen intensiveren Austausch vorzunehmen.

Respekt und Vertrauen: So verschaffst du dir Anerkennung bei deinem neuen Team

Respekt fällt nicht vom Himmel. Vor allem als Chef ist es jedoch besonders wichtig, dass du ihn dir verschaffst. Schließlich führst du ein Team und das soll im Idealfall deine Anweisungen befolgen. Ohne Respekt geht das kaum – und wenn nur in einem denkbar schlechtem Klima. Da du in einem solchen nicht arbeiten möchtest, solltest du diese Punkte beachten, die dabei helfen, dir Respekt zu verschaffen:

Respekt: So gelingt´s

Respekt beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn du Respekt erwartest, musst du diesen auch deinem Team gegenüber zeigen. Begegne ihm auf Augenhöhe, sei transparent und nimmt ihre Vorschläge aber auch Sorgen und eventuelle Ängste ernst.
Bleib glaubwürdig: Es läuft gerade nicht so gut in der Firma? Respekt bedeutet auch, das deinem Team mitzuteilen und keine überschwänglichen Verheißungen zu machen. Verspreche nie etwas, was du nicht halten kannst – von angekündigten Teamgesprächen bis zur Umsatz-Prognose.
Nimm Feedback und Kritik an: Niemand ist unfehlbar und gerade, wenn du neu im Unternehmen bist, kannst du die Strukturen und Rituale, die jedes Unternehmen hat, nicht kennen. Trau dich und frag dein Team. Bitte es auch um Feedback für Strategien und Ziele. Aber Achtung: Fragen alleine bringt nichts, du musst die Ratschläge auch umsetzen oder zumindest mitteilen, warum das (noch) nicht möglich ist.

Respekt: So klappt es nicht

Wie du dir Respekt verschaffst, weißt du jetzt. Wir verraten dir aber auch, wie du es nicht machen sollst. Erkennst du dich in einigen Punkten wieder? Dann schau dir noch einmal die Do-Liste an.
Ich Chef, ihr nix: Behandelst du deine Mitarbeiter von oben herab und sprichst ihnen jegliche Kompetenz ab – ganz nach dem Motto: ich kann das sowieso besser – wirst du vor allem eines erhalten: ein frustriertes Team. Respekt? Fehlanzeige.
Verantwortung? Ich doch nicht! Delegieren muss sein – bedeutet jedoch, dass du hinter der Entscheidung stehst. Du hast sie schließlich getroffen. Neue Führungskräfte, die sich in ihrem Job noch unsicher sind, verweisen auch gerne an die nächst höhere Instanz. Ein großer Fehler. Du bist der Boss, dafür hat dein Chef dich eingestellt. Wenn du Respekt vor deinen Mitarbeitern und vor deiner Führungskraft zugleich verlieren möchtest, weise einfach jede Verantwortung von dir.
Sage, was du nicht willst: So soll das Projekt nicht laufen und die Präsentation war ja wohl völlig daneben. Und überhaupt – kann denn hier niemand etwas richtig machen? Wohl kaum, wenn du nicht sagst, was du willst. Ein ewig nörgelnder Boss erarbeitet sich ein Team, das ihn nicht ernst nimmt. Ganz nach dem Motto: Der hat ja sowieso an allem etwas auszusetzen, egal was man macht.

Beobachten geht vor Handeln

Blinder Aktionismus hat noch nie zum Erfolg geführt. Die ersten 100 Tage als Führungskraft sind auch nicht dazu da, große Veränderungen anzustoßen. Nutze die Zeit lieber für eine erste Orientierung: um dich mit der Unternehmenskultur zu befassen, mit den internen Strukturen und den innerbetrieblichen Abläufen. Auch dann, wenn du bereits als Mitarbeiter dort tätig warst und aufgestiegen bist. Aus deiner neuen Perspektive gibt es immer noch mehr zu erfahren und zu lernen. Stell Fragen, lies dich ein, investiere Zeit, dich mit den Geschäftsfeldern zu beschäftigen.

Was kann dein Team?

Wenn es darum geht, ein neues Team zusammenzustellen, ist Zeit ebenfalls ein wichtiger Faktor. Schließlich möchtest du die Besten haben. Das bedeutet allerdings nicht, einfach alle Leistungsträger des Unternehmens in ein Team zu holen. Herauszufinden, wer welche Skills mitbringt, wer sich als besonders teamfähig erweist, wer eine hohe soziale Kompetenz hat und wer es fachlich drauf hat, dauert eben eine Weile.
Die Ergebnisse des Beobachtens werden dann umso besser, denn dann weißt du, was du tust – und warum. Neue Chefs, die erst einmal alles umkrempeln, werden sich dagegen kaum Vertrauen erarbeiten und mit Sicherheit auch den Unmut der Chefetage auf sich ziehen. Womöglich sind deine Tage dann schon gezählt.

Erwartungen von oben erfüllen: diese Fragen stellen neue Chefs ihren Chefs

Und wo wir schon bei der Chefetage sind: Auch als Boss steht in aller Regel mindestens eine Person über dir. Und die hat bestimmte Erwartungen an dich und deine Arbeit. Klar, du hast die Vorstellungsrunden überstanden und sie wollten dich – doch weißt du, was du wirklich leisten sollst und wie das Unternehmen tickt? Mit diesen Fragen an deinen Chef kommst du weiter:

  • Wo will das Unternehmen hin? Welche kurz- mittel- und langfristigen Ziele hat es? Und welche sollst du konkret erreichen?
  • Was macht das Unternehmen besonders? Stichwort: Alleinstellungsmerkmale. Was macht deine Firma anders als andere?
  • Welche Werte lebt das Unternehmen? Nur wenn du weißt, welche Unternehmenskultur und -philosophie es vertritt, kannst du diese auch leben.
  • Wie geht das Unternehmen mit Fehlern um? Bitte um Beispiele, was in der Vergangenheit passiert ist, wenn sich Strategien oder Produkte als Fehlentscheidung herausgestellt haben.
  • Wie ist die Firma organisiert? Welche Abteilungen arbeiten zusammen, wer macht was und wer ist für welche Arbeiten genau zuständig?
  • Wer sind deine Mitarbeiter? Hier geht es nicht darum, die Akte jedes einzelnen durchzukauen. Besonderheiten solltest du jedoch wissen: Gibt es Querschläger, wer ist besonders motiviert, ist da jemand, der deine Position anstrebte?
  • Was gibt es für dich als Erstes zu tun? Welche Prioritäten hat dein Chef, welchen Weg sollst du einschlagen? Wichtig: Hol dir in den ersten Wochen regelmäßig Feedback von deinem Boss ein, ob du die richtige Richtung einschlägst.

Orientierung bieten: so wird dein Führungsstil transparent

Mit deiner Antrittsrede hast du dich und deine Ziele bereits bekannt gemacht. Anschließend geht es ans Eingemachte: daran, konkret zu kommunizieren, was deine Mitarbeiter von dir erwarten können. Wann ist schnelles Handeln angesagt, wann sind Ideen gefragt, die Zeit brauchen? Wie deine Ziele erreicht werden sollen und was jeder Einzelne dabei zu tun hat, solltest du klar kommunizieren. Kleine und große Erfolge, aber auch Rückschritte werden ebenfalls transparent gemacht. So schaffst du ein Klima des Vertrauens.

Lerne dein Team kennen

Ob Du ein Team neu zusammenstellst oder als Leader in ein bestehendes kommst: Du musst wissen, was jeder Einzelne leistet und wie seine sozialen Kompetenzen aufgestellt sind. Welches Fachwissen deine Mitarbeiter mitbringen, wer ein echter Teamplayer ist, wer mehr leistet, wenn er als Einzelkämpfer auftritt, zum Beispiel im Verkauf: All das sind Faktoren, die du herausfinden solltest. Durch Beobachtung und durch Mitarbeitergespräche. Erst dann kannst du deine Strategie aufstellen und jedes Teammitglied dort einsetzen, wo er die beste Leistung bringt.

Diese Faktoren machen ein Team effizient

Führst du zum ersten Mal ein Team, können die Googles Erkenntnisse, was ein erfolgreiches Team ausmacht, helfen. Im Projekt Aristoteles untersuchte Google über zwei Jahre lang 180 Teams mit Blickpunkt auf die Frage, wie sie am besten funktionieren. Dabei kamen fünf zentrale Ergebnisse heraus. Teams arbeiten besonders effektiv, wenn sie:
psychologische Sicherheit haben: Das bedeutet etwa, dass Ideen auch dann in den Raum geworfen werden dürfen, wenn sie nicht komplett durchdacht sind, Fragen erlaubt und Anmerkungen erwünscht sind;
zuverlässig arbeiten: Pünktliche Abgaben und Verantwortung zu übernehmen sorgt für Effektivität;
übersichtliche Strukturen vorfinden: Klare Ansagen, deutliche Erwartungen, konkrete Ziele;
ihre Arbeit sinnvoll finden: ob Selbstverwirklichung oder finanzielle Sicherheit – die Arbeit muss für die Teammitglieder Sinn ergeben und
einen Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben: Die Ziele der Firma mit seinem eigenen Beitrag zu erreichen, macht effizient und zufrieden.

Ziele definieren und erreichen – so funktioniert es

In den ersten Wochen hast du dich orientiert, dein Team zusammengestellt, die ersten Mitarbeitergespräche geführt, kennst die Erwartungen deines Chefs, die Unternehmenswerte und -visionen und bist bereit, erste Strategien aufzustellen. Und damit auch erste Ziele zu definieren. Diese können einzelne Mitarbeiter betreffen, etwa was deren Leistung angeht, oder Projektweise definiert werden. Regel Nummer eins lautet hier: bleib auf dem Teppich. Die Ziele dürfen ambitioniert sein, müssen sich jedoch erreichen lassen. Da du zuvor dein Team kennengelernt hast, dürfte es nicht schwerfallen, realistische Ziele anzustreben, die du mit deiner Mannschaft erreichen kannst. Die Ziele müssen zudem…

  • konkret
  • messbar
  • auf das Wesentliche fokussiert

… sein.
Der Weg, deine gesteckten Ziele zu erreichen, kann steinig werden. Trotz exakter Definition und obwohl du die besten Köpfe darauf angesetzt hast, können Widerstände auftreten, Termine platzen oder Kunden abspringen. Dann heißt es, flexibel zu bleiben. Es werden immer wieder Anpassungen vorgenommen werden. Halte dich nicht zu streng an deine Strategie und lasse Platz für Unvorhergesehenes. Plane Zeit und Ressourcen realistisch ein.

Feedback und Reflexion: Wie war ich, Team – und Boss?

Die ersten 100 Tage als Führungskraft neigen sich dem Ende zu. Zeit für eine Reflexion: Hast du deine Ziele erreicht? Dir den Respekt deines Teams erworben? Veränderungen angestoßen? Die Erwartungen deines Chefs erfüllt?
Feedback solltest du dir auch von deinem direkten Vorgesetzten holen. Schon allein deshalb, damit du dir sicher sein kannst, auf der richtigen Fährte zu sein. Noch ist es Zeit, das Ruder rumzudrehen, wenn dein Boss mit deiner Arbeit nicht voll und ganz einverstanden ist.

Und dein Team? Feedback von deinen Mitarbeitern ist für die weitere Strategie wichtig. Dabei geht es nicht darum, dass sie deinen Führungsstil bewerten. Doch wie sie den Erfolg deiner Strategien einschätzen und wie realistisch die von dir gesteckten Ziele erreichbar sind, ob sie mit der Kommunikation und Transparenz zufrieden sind – all das sind Dinge, die du gegen Ende deiner ersten 100 Tage herausfinden solltest. Digitale Feedbacktools können dabei eine große Hilfe sein: Mit kununu engage erhältst du regelmäßig, ehrliches Feedback von deinen Mitarbeitern und weißt so immer, ob es Handlungsbedarf gibt und wie sich dein Team fühlt. Lerne unsere Plattform jetzt unverbindlich kennen.

Du bist schon länger in einer Führungsposition und fragst dich, ob du ein guter Chef bist? Dann findest hier unseren Artikel „Bin ich ein guter Chef?“. Viel Spaß beim Lesen!

Genug gelesen? Dann schaue doch ein Video, das kurz & knapp zeigt, wie man es nicht machen sollte:

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