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Die Zukunft von HR: „Hand in Hand“ mit Künstlicher Intelligenz

  • Martina
  • Dezember 12, 2019
  • 13 min

„Großer Kraft folgt große Verantwortung“, sagte Onkel Ben, bevor sich Spiderman alias Peter Parker in den Dienst der Menschheit stellte! Um Verantwortungsbewusstsein geht es auch in der aktuellen Debatte um Künstliche Intelligenz in Human Resources. Wovon alle Welt spricht und wie sie unser Tun verändern wird, darum geht es in diesem Beitrag.

Über die Kunst, Intelligenz zu definieren

Bevor wir uns in unserer Recherche der eigentlichen Diskussion widmeten, wollten wir verstehen, was KI – also künstliche Intelligenz – eigentlich bedeutet. Dabei stolperten wir auf ein nicht ganz unwesentliches Detail: Der Begriff der Intelligenz per se ist da schon schwammig!

Intelligenz (von lateinisch intellegere „erkennen“, „einsehen“; „verstehen“ […]) ist in der Psychologie ein Sammelbegriff für die kognitive bzw. geistige Leistungsfähigkeit. Da einzelne kognitive Fähigkeiten unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und keine Einigkeit besteht, wie diese zu bestimmen und zu unterscheiden sind, gibt es keine allgemeingültige Definition der Intelligenz.“

Eine Vielzahl von Intelligenztheorien – samt IQ-Tests – war die Folge. Wenn wir Intelligenz aus rein informationsverarbeitender Perspektive betrachten, dann sind es vorwiegend die Psychologinnen und Psychologen, die sich in ihrer kognitiven Forschung der Methoden und Erkenntnisse der Hirnforschung und mittlerweile auch jener der künstlichen Intelligenz bedienen. Dass ein Mensch aber nicht nur Informationen erkennen und/oder verstehen kann, das zeigen vor allem seine Fähigkeiten als emotionales und soziales Geschöpf. Wo die Forschung der menschlichen Intelligenz Fahrt aufnimmt, steigen wir auf die Bremse und fragen uns: Inwiefern spielen Gefühle, Kommunikation oder Interaktionen beim künstlichen „Pendant“ der menschlichen Klugheit eine Rolle?

KI oder AI: ein Produkt der Informatik

Wir sehen, es wird Zeit, sich den Begriff der Künstlichen Intelligenz (KI) oder artificial intelligence (AI) anzusehen.

Künstliche Intelligenz (KI) […] ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens und dem maschinellen Lernen befasst. Der Begriff ist insofern nicht eindeutig abgrenzbar, als es bereits an einer genauen Definition von „Intelligenz“ mangelt. Dennoch wird er in Forschung und Entwicklung verwendet.“

Zugegeben, dieses „Begriffs-Dilemma“ lässt tatsächlich viel Raum für Interpretation. In unserem Verständnis versucht KI, intelligentes Verhalten von uns Menschen „abzukupfern“, um es bei der nächsten Gelegenheit selbst anwenden zu können. Ein permanenter Lernprozess, der aus unserer Sicht wohl eher analytisch als emotional verläuft.

Mehr noch: Der Anwendungserfolg einer oder mehrerer KIs hängt vielmehr davon ab, mit welchen Hard Facts sie in diese „Mission“ geschickt werden. Naheliegend, dass es sich dabei um etwas Faktenorientierteres als Emotionen handeln muss. Nämlich: Daten, Daten, Daten!

Ein Mythos der digitalen Branche?

In einem Interview in der Ausgabe 6/2019 mit der Zeitschrift personalmanager geht der Zukunftsforscher Matthias Horx weiter und meint, dass wir aufgrund dieser Begriffsverwirrung allesamt einem „KI-Irrtum“ unterliegen und an der Sache vorbeidiskutieren. Für ihn macht es keinen Sinn, „Menschliches auf die Maschine“ zu projizieren, weil eine KI weder Gefühle noch Schmerzen erfährt. Es sei schlicht ein System von Experten mit „komplexeren digitalen Algorithmen“, das einem „Verschiebebahnhof unserer Befürchtungen“ gleichkommt. Warum? Weil die Debatte viele Ängste schürt, und damit ist auch die Furcht der Menschen vor sich selbst gemeint. Deshalb rät er jedem/jeder sich gelassen und mit gesundem Menschenverstand diesem Thema zu widmen. Schließlich sollte man sich fragen: WIE und WO können uns diese künstlichen Intelligenzen nützlich sein?

Zugegeben, Horx Ansicht hat etwas Beruhigendes. Auch in einem Interview der Zeit „Die Alternative ist: Irgendwann ist dein Arbeitsplatz fort“ mit der KI-Expertin Shirley Ogolla und Telekom-Betriebsrat Josef Bednarski betont man, sich nicht angstgetrieben auf dieses Thema einzulassen.

Die KI-Expertin bestätigt die umstrittene Debatte und gibt zu bedenken: „Viele haben Fantasien von starker oder selbst agierender künstlicher Intelligenz, die ist aber eigentlich noch nicht wirklich einsatzfähig.“ Was wir bereits einsetzen, das nennen wir Machine Learning oder lernende Algorithmen. Ogolla spricht von „Systemen, die auf Basis von Datensätzen lernen, Muster zu erkennen und Probleme eigenständig zu lösen“.

Selbstlernende Systeme werden mit künstlich neuronalen Netzwerken ausgebaut und sind imstande, ihre eigenen Strategien zu entwickeln. Eine der bekanntesten Schlagzeilen zum Thema „Google-KI schlägt weltbesten Go-Spieler“ ist uns vielleicht noch in den Köpfen geblieben. Wenn man bedenkt, dass dieser technologische Durchbruch erst viele Jahrzehnte nach der ersten Erwähnung des Begriffs in den 1950ern gelang.

Einen Vorgeschmack liefern uns bereits Sprach- und Gesichtserkennungen oder automatische Empfehlungen. Amazon, Apple, Facebook, Google und Co. machen´s vor. Auch Professor Thorsten Petry von der Hochschule RheinMain nennt sie in seinem Artikel im personalmanager unter dem Titel „Künstliche Intelligenz, Potenziale verantwortungsvoll nutzen“ und stellt obendrein noch eine Schlüsselfrage: Wie kommen diese Entscheidungen überhaupt zustande? Es ist eine Art Blackbox, die uns an eine große Unbekannte erinnert … und Verantwortungsbewusstsein erfordert.

Smarte Streber und Normen

Wenn wir Maschinen „hochzüchten“, damit sie selbstständig lernen können, dann braucht es Richtlinien und Grenzen. Nicht nur die EU-weite DSGVO, sondern auch der deutsche Ethikbeirat HR-Tech BPM , der am 1. Jänner seinen ersten Geburtstag feiert, setzen hier an.

Ohne Regeln werden wir es nicht hinkriegen“ , so auch die KI-Expertin Ogolla und appelliert dabei auf unser Bewusstsein, dass viele KIs noch nicht heterogen genug sind. Wenn also eine KI Frauen im Bewerbungsprozess benachteiligt, dann liegt es an uns, dem System zu sagen, dass es nicht nur aus einer Quelle schöpfen soll, sondern aus mehreren … und das am besten regionalübergreifend, etc.

Während die DSGVO besagt, dass der Mensch bei solchen Entscheidungen immer „das letzte Wort haben muss“ (Prof. Petry) – indem er hinterfragt, Fehler erkennt und analysiert -, spricht der Beirat von „Leitplanken“, die den smarten Algorithmen Orientierung geben. So sollten Ziele vorab geklärt, KI-Techniken bekannt sein und wichtige Personalentscheidungen nicht von einer KI eingeschränkt werden. Auch systembedingter Diskriminierung müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Wir Menschen sind diejenigen, die KI formen. Und wir Menschen können doch sagen, was wir wollen und was nicht.“ , so auch Josef Bednarksi im Interview mit der Zeit.

KI auf Probe & Marketer im Taumel

Künstliche Intelligenz ist in HR-Prozessen bereits angekommen, wobei laut Professor Petry noch vieles unklar ist. Vor allem HR-IT-Anbieter und Start-ups geben hier die Richtung vor, während die meisten Unternehmen noch abwarten. Ein weiteres Problem stellt für sie die nötige Datenmenge dar, um den Startschuss für adäquate Berechnungen geben zu können.

Diejenigen, die bereits auf der Suche nach smarten und intelligenten Lösungen sind, denen rät der Professor: „Nicht überall, wo KI draufsteht, sind auch smarte Algorithmen drin.“ Oft ist es „heiße Luft“, die aus den Marketingabteilungen kommt, um am Markt mithalten zu können.

Es wundert uns daher nicht, dass KI auch im Personalmanagement Einzug gehalten hat: Von der Personalplanung, -beurteilung über die Talentanalyse, Auswahl von Trainings bis hin zur Stellenbesetzung – Robot Recruiting – kommen smarte Algorithmen zum Einsatz. Ob qualitativ gut oder weniger, sei dahingestellt.

Während intelligente Chatbots bereits mit den Kunden oder Bewerberinnen und Bewerbern kommunizieren und deren Fragen beantworten, entlasten KI-basierte Systeme Personaler in ihrer administrativen Tätigkeit und schreiben Stelleninserate, suchen nach passenden Jobbörsen oder führen ein automatisches Kandidaten-Matching durch.

HR-Managerinnen und Manager verfügen wiederum über mehr Zeit, sich komplexeren Aufgaben zu widmen; der Ressource Mensch. Zum Beispiel mit jemandem ein Gespräch zu suchen, der oder die höchstwahrscheinlich kündigen wird. Woher wir das wissen? Von smarten Algorithmen, die sich für die Berechnung dieser Wahrscheinlichkeit relevanter Daten – z.B. aus der Bewerbung, etc. – bedient haben. Schließlich liegt es an uns Menschen, ob wir diesen Mitarbeiter oder diese Mitarbeiterin weiterhin an das Unternehmen binden können. Siehe dazu unseren Beitrag zur Mitarbeiterbindung . Es wird auf das Feedback , die Kommunikation sowie die Beziehung zueinander und auf das Angebot ankommen, das wir ihr oder ihm geben werden. Sei es in Form einer neuen Ausbildung und/oder einer anderen Stelle innerhalb des Unternehmens. Wir sehen, das Mensch-Maschine-Gespann hält viele Potenziale bereit, wo am Ende der Mensch darüber entscheidet, ob wir damit erfolgreich sind oder nicht.

Mensch-Maschine-Teams: eine Frage des Trainings

Eine weitere Facette von KI bringt der Begriff der Augmented Intelligence ins Spiel. KI ist dabei als erweiterte Intelligenz zu verstehen, die die Menschen in ihrem Tun unterstützt. Es ist vielmehr eine Ergänzung als eine reine Automatisierung. Auch Professor Dirk Nicolas Wagner von der Universität Karlsruhe hat in seinem Artikel „Human-Centered Management, Perspektiven schaffen für Mensch-Maschine-Teams“ darüber berichtet und setzt auf die gezielte Förderung einzelner Kompetenzen, die aufgrund dessen notwendig werden. „Seine“ Human Agent Collectives oder auch HAC sind Zusammenschlüsse, in denen die menschlichen Fähigkeiten verbessert, erweitert oder ergänzt werden sollen. In der Luftfahrt finden wir auch in der Vergangenheit Beispiele, wo man diese Fähigkeiten mithilfe von Software verbessert, um weiteres menschliches Versagen zu vermeiden. „Von denen lernen, die es bereits tun“, so lautet auch Wagners Rat.

In weiterer Folge sei die Ära, in der die Maschine reiner Befehlsempfänger war, vorbei. Im KI-gesteuerten Zeitalter entscheiden wir gemeinsam: mal der Mensch, mal die Maschine! ABER auch er betont, dass die Letztentscheidung immer beim Menschen liegt. Generell müssten wir gezielt auf unsere zukünftige vernetzte Umgebung vorbereitet und trainiert werden. Wagner empfiehlt hier ganzheitliche Trainingskonzepte für Unternehmen, die folgende Bausteine auf Seite 15 unbedingt einbeziehen sollten:

  • Situationsbewusstsein
  • Workload Management
  • (menschliche) Fehler
  • Kommunikation
  • Entscheiden
  • Führung und Teamarbeit
  • Selbstbestimmung und Achtsamkeit
  • Ideation und Innovation

Miteinander verdrahtet bilden diese Bausteine Synergien, die wiederum die Leistungsfähigkeit des Menschen fördern, „natürlich“ individuell. Über die Zielsetzung dahinter resümiert der Professor:
Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz weniger Krisensituationen zu produzieren und gleichzeitig mehr Chancen und Innovationen zu realisieren.

„Jaja, schon wieder eine eierlegende Wollmilchsau aus Nullen und Einsen, die uns einmal die Arbeitsplätze wegrationalisieren wird“, denken sich viele. Gewiss, jede Veränderung birgt immer auch Gefahren und wir nicht wissen, was genau passieren wird. Auch die Experten prognostizieren, dass Arbeitsplätze wegfallen werden. Und dass es sehr wahrscheinlich diese sein werden, wo etwas automatisiert werden kann. Aber Hand aufs Herz: Ist uns das wirklich neu? Sind wir nicht schon längst in einer Welt, wo dies tagtäglich passiert? Wir möchten smarte Lösungen weder schönreden noch verteufeln.

Fakt ist, dass KI schon längst unter uns ist und auch „keine Option“ mehr darstellt – Wagner zitiert hier den KI-Pionier Michael Feindt.

Wer KI – in einem anderen Kontext – erleben möchte, klickt auf den angeführten Link zum Video und überzeugt sich davon, dass wir hier von keiner Zukunftsmusik mehr sprechen. Anlässlich Beethovens 250. Geburtstags wurde ein smarter Algorithmus dahingehend trainiert, seine „Unvollendete“ zu vollenden. Ja, auch wir staunten nicht schlecht!

Was spricht dagegen, sich auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, in der wir mit künstlicher Intelligenz „Hand in Hand“ gehen? Womöglich entstehen tatsächlich auch neue Arbeitsplätze? Klar, dass aus uns nicht nur Programmiererinnen und IT-Techniker werden können. Aber wir sollten uns weiterbilden, um mit den Daten – dem Futter der KI – gut umgehen zu können. Denn nur mit einer qualitativ hochwertigen KI an Board werden sich in Human Resources Möglichkeiten eröffnen, die einer langfristigen strategischen Personalarbeit Tür und Tor öffnen. Es liegt an uns, verantwortungsbewusst darüber zu reflektieren und zu sagen, was wir wollen und was nicht.

Intelligente Lösungen, die durch die Schule des Machine Learnings gehen, werden uns in den nächsten Jahren begleiten, unterstützen, aber auch etwas nehmen. Was bleibt, sind die Entscheidungen, die wir Menschen treffen, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst lang an das Unternehmen zu binden. kununu engage hat ein Tool entwickelt, dass euch schon heute dabei hilft, morgen die guten Entscheidungen zu treffen.

Entscheidungen machen uns zu denen, die wir sind. Und wir haben immer die Wahl, das Richtige zu tun.

Ein Hoch auf Spiderman und natürlich auf Onkel Ben!

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