Großraumbüros: Eine Idee, ein Raum… viele Probleme

  • Nathalie
  • Februar 4, 2019
  • 5 min

Das rhythmische Tippen auf Computer-Tastaturen, das leise Rascheln von Druckerpapier, und das lebendige Summen kreativen Austauschs – der Traum von der Idylle im Großraumbüro bleibt ein wachsender Trend in Deutschlands Bürogestaltung.

Das Großraumbüro bleibt auch weiterhin ein wachsender Trend in Deutschlands Bürogestaltung. So erklärte die Wirtschaftspsychologin Sarah Lütke Lanfer dem Hamburger Abendblatt, dass sich bei Umbauten 15 von 17 Unternehmen dazu entschieden, ihre Räume als Großraumbüro zu organisieren.

Hinter dem Konzept des Großraumbüros steht der Wunsch nach mehr Interaktion, spontanen Besprechungen, die zu Innovationen führen, und schlichtweg vereinfachtem Informationsaustausch. So erhoffen sich viele Arbeitgeber, dass die Abschaffung von Barrieren dazu führt, dass auch teamübergreifend kommuniziert wird. In der Theorie bedeutet dies: Wer in Sichtweite zueinander arbeitet, spricht auch häufiger miteinander.

offene Räume = mehr kreativer Austausch?

Doch immer wieder zeigen Artikel und Studien, dass die Arbeit in Großraumbüros auch negative Effekte auf Produktivität und Wohlbefinden der Arbeitnehmer hat.

Eine neue Harvard-Studie überrascht jedoch auch mit ihrem Ergebnis zum Kommunikationsverhalten. Denn sie zeigt: Die Rechnung, dass offene Räume direkte Interaktion fördern, geht so einfach nicht auf. Die US-amerikanischen Wissenschaftler Ethan S. Bernstein und Stephen Turban untersuchten in ihrer Studie The impact of the ‘open’ workspace on human collabo- ration welchen Einfluss der Wechsel zu einem offenen Bürokonzept auf die direkte Kommunikation unter Mitarbeitern hat. Das überraschende Ergebnis: Im Vergleich zu Konzepten, die mit Raumtrennern oder anderen Barrieren arbeiten, nimmt die direkte Kommunikation in Großraumbüros nicht zu, sondern sogar ab.

In einem Großraumbüro ersetzen viele Mitarbeiter direkte Kommunikation durch elektronische Medien.

Nach Abschaffung räumlicher Barrieren nahm in der durchgeführten Feldstudie die persönliche Interaktion zwischen Kollegen um 72 % ab, während die virtuelle Kommunikation per Mail um 56 % und per Instant-Messaging-Diensten um 67 % stieg. Auch die Anzahl der Wörter pro Nachricht nahm mit 75 % deutlich zu.

Warum ein offenes Raumdesign nicht zwangsläufig auch zu mehr persönlicher Interaktion führt, hat vielschichtige Gründe. Ein Faktor, den nicht nur die US-amerikanischen Wissenschaftler betonen, ist der Verlust von Privatsphäre und Rückzugsräumen. Bernstein und Tulpen erläutern, dass viele Mitarbeiter dazu geneigt sind, sich ihren eigenen Raum zu suchen, indem sie die Kommunikation auf elektronische Medien verlagern. So stören sie einerseits weniger andere Kollegen und sorgen andererseits auch dafür, dass nicht jedes Gespräch mit dem gesamten Büro geteilt wird. Auch Kopfhörer, die heutzutage fester Bestandteil vieler Großraumbüros sind, verdeutlichen den Versuch, sich von der Umgebung abzuschotten, die Lärmbelastung und auch die Möglichkeit, zu jedem beliebigen Zeitpunkt ansprechbar zu sein, zu reduzieren.

Es gibt kein Patentrezept für den perfekten Arbeitsplatz (Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation)

Mut zur Vielfalt

Wie schaffst du es als Chef eine Bürogestaltung zu wählen, die wirklich alle Mitarbeiter zufrieden stimmt und dennoch den direkten, aber geschützten Austausch zwischen den Kollegen ermöglicht?

Wenn du dir eine lebendige Arbeitsatmosphäre in deinem Büro wünscht, solltest dich nicht von den Ergebnissen der Studie entmutigen lassen. So zeigt sie doch nur sehr eindrucksvoll, dass beim Thema Office Design vielschichtige Ansätze zu verfolgen sind, die genau auf die Art der Arbeit und die jeweiligen Teams bzw. ihre Mitglieder zurechtgeschnitten sein müssen.
 

Auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) rät dazu, vielfältige Arbeitsmöglichkeiten im Büro anzubieten, sodass unterschiedliche Arbeitsstile der Teams gefördert werden können. Weiterhin ist eine genaue Analyse der Mitarbeiterstruktur und –Zu- friedenheit mit den bereitgestellten Angeboten ein wichtiger Indikator für sinnvolle und auch weniger sinnvolle Umgestaltungen im Bürodesign.

Das Feedback der Mitarbeiter und Teamleiter sollte dabei ausschlaggebender Faktor für die Raumplanung sein, denn nur so kann die Bürofläche optimal von allen genutzt werden.

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