Zum Top-Performer mit Empathie, Integrität und emotionaler Intelligenz

  • Martina
  • März 7, 2019
  • 11 min

Noch vor wenigen Tagen trieben sie sich auf Umzügen herum und tanzten ausgelassen auf Maskenbällen: Die Rede ist von den furchtlosen Piraten, den boshaften Hexen und den couragierten Superheldinnen. Während wir beim Verkleiden unser gewohntes Ich in den Kurzurlaub schicken, stehen viele unserer Soft Skills bereits unbewusst im Rampenlicht. Solche „weichen“ Fähigkeiten nützen aber nicht nur ambitionierten Faschingsnarren, sie können uns auch im Job zur Top-Performance verhelfen. Welche Soft Skills ein Top-Performer mitbringen sollte und wie du deine Mitarbeiter/-innen in ihrer Performance unterstützen kannst, darüber haben wir uns in diesem Beitrag die Köpfe zerbrochen. 😉

Soft Skills: die Trümpfe der Menschenführung

Bereits bei der Suche nach den besten Mitarbeitern kommt man an ihnen nicht vorbei: an den Soft Skills, die der oder die Neue mitbringen soll. Während die fachliche Kompetenz mit einem Blick in die Zeugnisse nachgewiesen werden können, erlangen wir bei Bewerbungen oft erst nach Anwendung eignungsdiagnostischer Verfahren Kenntnis über die Ausprägung unterschiedlicher Kompetenzen des Kandidaten.

Aber warum ist das so kompliziert? Weil wir Menschen sind und keiner dem anderen gleicht. So komplex und vielseitig wir sind, sind es auch unsere Soft Skills. Sie sind eine …

„(…) Kombination aus Fertigkeiten der Menschen, sozialen Fähigkeiten, Kommunikationsfähigkeiten, Charakter- oder Persönlichkeitsmerkmalen, Einstellungen, Karriereattributen, sozialer Intelligenz und emotionaler Intelligenzquotienten, die es den Menschen ermöglichen, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden und gut mit anderen zusammenzuarbeiten, gute Leistung erbringen und ihre Ziele mit ergänzenden harten Fähigkeiten erreichen.“

Offen, neugierig, verständnisvoll, loyal und kommunikativ sind nur einige Eigenschaften, die wir uns nicht nur von Neuankömmlingen, sondern auch vom bestehenden Personal erwarten. Diese Erwartungshaltung müsste doch eigentlich auch voraussetzen, dass es auch diejenigen sind, die es erwarten. Also auch das Management Board. Oder etwa nicht?

Was machen Firmenchefs in Stuttgart, Karlsruhe oder Bregenz anders als andere? Wir haben in unseren beiden letzten Beiträgen darüber berichtet, dass hier die engagiertesten Arbeitnehmer/-innen der letzten zwölf Monate am Werk waren.

Wir denken, dass top engagierte Mitarbeiter/-innen auch motivierendes und engagiertes Leadership brauchen, die sie für ihre bestmögliche Entwicklung benötigen. Aber welche Soft Skills erwartet man sich von „oben“?

Wir haben uns die Top Ten Soft Skills für Führungskräfte von der Eastern Kentucky University genauer angesehen und dabei folgende entdeckt:

  • Integrität
  • Kommunikation
  • Höflichkeit
  • Verantwortung
  • Zwischenmenschliche Fähigkeiten
  • Positive Einstellung
  • Professionalität
  • Flexibilität
  • Teamarbeit
  • Arbeitsmoral

Ein feines Potpourri aus allem, was einen guten Chef/eine gute Chefin ausmacht. Interessant ist, dass man darunter auch Integrität und Arbeitsmoral findet. Beide verfolgen ethische Grundprinzipien und drücken eine Haltung, eine Einstellung oder ein Mindset aus.

Je älter ich werde, desto stärker beurteile ich meinen eigenen Lebenslauf und die Vita meiner Mitarbeiter nach Integrität und Haltung“, bestätigt auch Nico Hofmann in einem Interview. Der Regisseur, Filmproduzent und Autor des 2018 erschienen Buchs „Mehr Haltung, bitte!“ betrachtet Integrität als wertvolles Gut, das obendrein noch mit dem Vertrauen der Mitarbeiter/-innen bereichert wird.

Von der Macht der weichen Helferlein

Dass es sich wirtschaftlich auszahlt, sich als fairen und integren Partner zu präsentieren, unterstreicht auch Otto Geiß – Mitglied im Vorstand für das Deutsche Netzwerk für Wirtschaftsethik und Transparency Deutschland e.V.. Er ist fest davon überzeugt, dass Integrität, wenn sie in die Unternehmenskultur verankert wurde, auch wirtschaftliche Erfolge einfährt. Nur wer ehrlich und regeltreu zu seinen Kunden (und Mitarbeitern) ist, wird langfristig bestehen können.

Viele Unternehmen halten ihre wirtschaftsethischen Grundsätze daher in einer hauseigenen Compliance fest. Geiß betont, dass hier dem Management eine wichtige Aufgabe zukommt und vergleicht diese mit der Überbringung der zehn Gebote durch Moses:

„Entscheidend war doch dabei, dass Moses vom Berg hinabgestiegen ist und die zehn Gebote den Menschen erklärt hat. Das ist in der Compliance genauso – die Verantwortlichen müssen Regeln für ihr Unternehmen entwickeln, sie erklären und nachhaltig nachverfolgen.“

Wir geben zu, dass das Nachdenken über die Wirtschaftlichkeit von Integrität eine Grundsatzfrage aufwirft: Kann es sein, dass so manches Soft Skill gar nicht so „weich“ ist, wie wir es bis dato wahrgenommen haben?

Nehmen wir doch einmal für ein kleines Gedankenexperiment etwas so Unschuldiges wie die Höflichkeit an die Hand: Werden wir erneut dort einkaufen, wo man uns einst so unhöflich bedient hat? Eher nicht. Von den negativen Bewertungen im Netz einmal abgesehen, sind wir uns schon einmal einig: Soft Skills sind sehr mächtig!

Über den wirtschaftlichen Verlust berichtet auch die aktuellste Gallup Studie aufgrund mangelnder emotionaler Mitarbeiterbindung in deutschen Unternehmen. Wie wichtig persönliche Fertigkeiten sein können, zeigt ihr Ergebnis: Jeder siebte Mitarbeiter fühlt sich nicht an das Unternehmen gebunden und hat bereits innerlich gekündigt. Besonders interessant ist dabei der Zusammenhang, den man zwischen dem Grad der Bindung und der Art der Führung hergestellt hat. Je motivierender Führung im direkten Arbeitsumfeld vernommen wurde, desto stärker war auch die emotionale Bindung der Mitarbeiter/-innen an das Unternehmen.

Wenn emotionale Employee Retention mit dem Motivationsfaktor des Leaderships zusammenhängt, dann hat bestmögliche Personalentwicklung vermutlich auch etwas mit emotional intelligenter Führung zu tun. Nicht wahr? Was das genau heißt, das liest du im nächsten Abschnitt.

Emotionale Intelligenz: Was ist das?

Eine Definition der emotionalen Intelligenz liefert uns das Lexikon der Psychologie:
Unter Emotionaler Intelligenz (EI) wird die Fähigkeit verstanden, Gefühle (bei sich und anderen) und menschliche Beziehungen richtig einschätzen und entsprechend handeln zu können.

Der Psychologe Daniel Goleman verweist in seinem vielzitierten Buch „EQ. Emotionale Intelligenz“ (dtv Verlag, 1997) darauf, warum emotionale Intelligenz für ihn wichtiger als der IQ sei und formuliert es auch auf dem Buchrücken recht einleuchtend:
„Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?“ Wie recht er hat! Die ausgeglichene Balance von beidem ist auch für uns der gesündere Weg.

„Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?“

Weiters unterschiedet Goleman fünf Arten von emotionaler Intelligenz, die in drei aufeinanderfolgenden YouTube-Videos veranschaulicht werden:

  • Selbstbewusstsein
  • Umgang mit Emotionen
  • Motivation
  • Empathiefähigkeit
  • Beziehungsfähigkeit

Wer also emotional intelligent agiert, der kennt seine Emotionen, weiß sie zu steuern, setzt sie zur eigenen Zielerreichung ein, versteht diese und die der anderen und kann sich an die jeweilige Situation anpassen.

Wesentlich dabei ist, dass dieses Anpassen ein Schlüsselfaktor bei der Ausübung emotionaler Intelligenz ist. Ist jemand traurig und wir erkennen das, dann wird sich irgendetwas in uns weigern, ihm/ihr mit lautem Gelächter zu begegnen.

Wer emotional intelligent agiert, der kennt seine Emotionen, weiß sie zu steuern, setzt sie zur eigenen Zielerreichung ein, versteht diese und die der anderen und kann sich an die jeweilige Situation anpassen.

Wenn wir uns demnach emotional anpassen können, dann könnten wir unsere Mitarbeiter/-innen doch auch mit Engagement und Motivation „anstecken“. Wer jetzt unweigerlich an die weit verbreiteten Masernpartys unserer Kinder denken muss, den/die dürfen wir beruhigen. Auch wir haben daran denken müssen. Keine Sorge! In unserem Tête-à-Tête ist der ansteckende Virus auf jeden Fall etwas Gesundes. 😉

Vielleicht hast du auch unseren Beitrag „Mitarbeiter-Engagement aus innerer Überzeugung“ gelesen. Darin haben wir Nikki Gatenbys Buch „Superengaged“ vorgestellt, viele inspirierende Ideen gewonnen und unglaublich feine Beispiele aus ihrem Unternehmen gehört. Nikki ist das beste Beispiel dafür, wie man das Mitarbeiter-Engagement und somit auch die Performance auf sehr hohes Niveau heben kann. Indem sie die Träume der Mitarbeiter ernst nimmt und sie bei deren Erfüllung unterstützt!

Vermutlich haben wir damit bereits einige Performance-Hebel und -Knöpfe gefunden, an denen wir bei uns selbst, aber auch bei unseren Teams drücken und ziehen können. Es bleibt auf jeden Fall spannend! Schließlich stellen wir uns der Frage: Was macht einen Top-Performer eigentlich aus?

Was Top-Performer ausmacht

Wir haben erkannt, dass es aufgrund der Vielfalt der menschlichen Fähigkeiten zu einem Zusammenspiel sämtlicher Skills und Fertigkeiten kommen soll. Um es in Golemanscher Manier auszudrücken: Was nützen uns die wunderbaren Soft Skills und die emotional intelligenten Fertigkeiten, wenn wir sie nicht erkennen, fühlen und ausleben können?

Nehmen wir einmal an, wir verfügen über alle bisher erwähnten Fertigkeiten und Skills – in einem ausgewogenen Verhältnis: Wir sind also integer, kommunikativ, verantwortungsvoll, flexibel, selbstbewusst, empathisch, motiviert, moralisch und höflich zugleich. Wir haben uns um die Entwicklung unserer Persönlichkeitsmerkmale gekümmert und hart dafür gearbeitet.

Negatives wie Arroganz und schlechte Stimmung konnten wir erfolgreich aus unserem Führungsalltag verbannen und leben die von Goleman erwähnten positiven Ausprägungen emotionaler Intelligenz aus: Wir sind daher offen, kritikfähig, konstruktiv und lösungsorientiert obendrein.

Könnten wir es mit dieser „Ausstattung“ schaffen, aus unseren Mitarbeitern/-innen Top-Performer zu machen?
NATÜRLICH! Und das gleich aus unterschiedlichen Gründen:

  • Ja, weil wir in unserer Annahme damit begonnen haben, unser Bestes an die Menschen in unserem Umfeld weiterzugeben.
  • Ja, weil wir damit authentisch sind und schon allein deshalb von unseren Teams respektiert werden.
  • Ja, weil wir damit bereits zu Top-Performern geworden sind und unsere Mitmenschen mit unserer emotionalen Intelligenz „anstecken“ werden.
  • Ja, weil wir uns einem Mindset geöffnet haben, das uns zu einer klaren und authentischen Haltung befähigt.
  • Ja, weil wir die offene, respekt- und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre gegen keine andere mehr eintauschen würden.

Am Ende unserer Gedankenreise kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir mit sehr viel mehr persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet sind, als wir vermutlich annehmen. Denken wir an die eingangs erwähnten Faschingsnarren, die Jahr für Jahr mit viel Empathie in eine andere Rolle schlüpfen. Unaufgeregt und ohne sich großartig vorzubereiten, übernehmen sie eine andere Rolle. Warum? Weil es Spaß macht!

Vielleicht können wir uns von den Superhelden und Piratinnen eine Kleinigkeit abschauen und so manche verborgene Fähigkeit in uns zulassen. Welcher Zeitpunkt könnte für so eine Innenschau nicht perfekter sein als die Zeit nach dem Karneval? In der Fastenzeit besinnen wir uns gerne auf Wesentliches. Warum nicht auch so eine Art Reset-Knopf drücken, um zu sich selbst zu finden?
Viel Freude beim Entdecken!

Herzlichst, dein kununu-Team.

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